Sie sind hier: Filmarten : Dokumentarfilm

Dokumentarfilm – widmet sich realen Geschehnissen

Das können zeitgeschichtliche Ereignisse aus Politik, Wirtschaft und Kultur sein. Ereignisse werden im Spielfilmformat bearbeitet. Bekannt für Dokumentarfilme ist Joris Ivens, der sich durch regierungskritische Berichte hervortat. Filmemacher aus der westlichen Welt suchten dagegen den Dialog mit Regierungen, um den Prozess fortschrittlicher Politik zu forcieren1.

Während des Zweiten Weltkriegs diente der Dokumentarfilm der Propaganda, in Deutschland war es die Intention der NS-Herrscher, das Massenpublikum zu beeinflussen. Zu nennen ist die Filmemacherin Leni Riefenstahl, die von Hitler gebeten wurde, die NSDAP-Parteitage zu filmen. Von Riefenstahl wurden Begriffe wie Sieg des Glaubens, Reinheit der Rasse und Hitler als Kultfigur herausgestellt. Später erhielt Leni Riefenstahl den Auftrag, die Olympischen Sommerspiele in Berlin (1936) zur propagandistischen Flankierung der NS-Herrscher zu filmen.

In der Nachkriegszeit war der Dokumentarfilm, da er mit Krieg und Propaganda in Verbindung gebracht wurde, nicht gefragt. Die Herabwürdigung von gesellschaftlichen Gruppen wurde nicht toleriert. In der USA gab es Dokumentationen in Kurzfilmformat, "in the street", Dauer 18 Minuten mit der Handkamera gedreht. Beschrieben wird in dem Film das Leben in einem New Yorker Stadtteil. Ähnliche Produktionen kommen aus England, Stichwort Free Cinema, Every day – exept christmas (1957). Inhaltlicher Gegenstand ist das Zusammentreffen von Menschen in Covent Garden2.

Ein wichtiger Ort, um über die Filmart zu forschen, ist das Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart. Träger der Einrichtung ist das Europäische Medienforum e. V. Eine in Europa einzigartige Videosammlung gibt Aufschluss über die Geschichte des internationalen Dokumentarfilms. Das Haus des Dokumentarfilms hat mit seinem Wirken einen großen Anteil an dem jährlich stattfindenden Branchentreff „Dokville“ in Ludwigsburg.

Am gleichen Standort ist die Landesfilmsammlung Baden-Württemberg untergebracht. Die Landesfilmsammlung hat 7000 historische Filmdokumente archiviert3. Ein berühmtes Event ist das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (DOK Leipzig). Das Festival wurde bereits 1955 gegründet. Inhalte sind lange und kurze Dokumentar- und Animationsfilme. Als Rahmenveranstaltungen können die Besucher zwischen regionalen Themen und historischen Retroperspektiven wählen. Nicht nur Filmemacher aus Ost und West suchen das Gespräch auf der DOK Leipzig, auch Dokumentarfilmer aus Afrika, Asien und Lateinamerika sind vertreten4.

In den neueren Dokumentarfilmen lernt das Publikum wichtige gesellschaftspolitische Themen und Persönlichkeiten der Zeitgeschichte kennen. „Alphabet“ von Erwin Wagenhofer setzt sich mit der Bildungspolitik und den Zukunftschancen der jungen Generation Europas auseinander. Mit viel Empathie begleitet Regisseur Pascal Plisson  Jackson und seine Schwester Salome aus Kenia, Zahira, Noura und Zineb aus Marokko, Carlito und Micela aus Argentinien, Samuel, Gabriel und Emmanuel aus Indien in „Auf dem Weg zur Schule“ (2013) auf ihrem weiten Weg zum Unterricht. Zu Fuß, mit dem Rollstuhl und mit dem Pferd nehmen die jungen Helden eine stundenlange, gefährliche Strecke durch unwegsames Gelände auf sich. Sie beklagen sich nicht über Strapazen. Die Kinder bewahren sich in jeder noch so schwierigen Lage ihren Humor. Ihr Wunsch nach Bildung ist enorm. Über Bildung und Schule handelt der preisgekrönte Dokumentarfilm „Zwischen den Stühlen“ (Kinostart: 18. Mai 2017) von Regisseur und Drehbuchautor Jakob Schmidt. Der Filmemacher hat sich der Referendare in seinem informativen Werk angenommen, die nach dem theoriebeladenen Studium als Lehrkräfte in spe während ihres Vorbereitungsdienstes(18 bis 24 Monate) die Schülerschaft unterrichten. Das Publikum „begleitet“ Anna (Grundschule), Katja (Gesamtschule) und Ralf (Gymnasium) in ihrer schwierigen Orientierungsphase im schulischen Alltag. Für den Betrachter mag es überraschend sein, dass die Referendare ohne praktische Erfahrung den Klassenverband wie Lehrer unterrichten und Noten vergeben. Dabei ist den Helden jedoch die Sympathie des Publikums sicher, da sie nicht nur den Schülern und ihren Eltern für vermeintlich ungerechte Beurteilungen Rede und Antwort stehen müssen, sondern für das Zweite Staatsexamen von ihren Schul- und Seminarleitern regelmäßig kontrolliert und beurteilt werden. Der Dokumentarfilm arbeitet den mehrseitigen Konflikt der Kandidaten zwischen Schülern/Eltern und Vorgesetzten/Ausbildern solide heraus. Erfreulich ist, dass Anna, Katja und Ralf, trotz mancher Widrigkeiten um Lerninhalte und Richtlinien, mit Leib und Seele Pädagogen sind. Wie  formuliert es Gymnasialreferendar Ralf treffend – der Schüler soll für das Leben lernen, Werte erkennen und verstehen, sodass er mit seinem erlenten Wissen im Leben vorwärts kommt. „Zwischen den Stühlen“, der den DEFA-Förderpreis für einen herausragenden Dokumentarfilm gewann, ist ein beachtenswerter Impulsgeber für den Zustand des Bildungssystems und seiner Betroffenen5.

Einen Dokumentarfilm über die jüngste Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai hat Davis Guggenheim gedreht. Die 18jährige Pakistanerin bezahlte ihr furchtloses Eintreten für das Recht von Mädchen auf Bildung fast mit dem Leben. „He named me Malala“ (Kinostart: 22. Oktober 2015) ist eine bemerkenswerte Schilderung über eine couragierte junge Frau, die sich als weltweit reisende Aktivistin für Bildung einsetzt. Oscar-Preisträger Guggenheim ist durch „Eine unbequeme Wahrheit“ und „Waiting for Superman“ bekannt6.

Ihre großartige Soulstimme hat Musikfreunde fasziniert. Tophits wie „Rehab“ zählen zum Repertoire von Amy Winhouse, die im Alter von 27 Jahren viel zu früh starb. Regisseur Asif Kapadia hat ihr mit dem Dokumentarfilm „Amy – The Girl behind the Name“ (Kinostart: 16. Juli 2015) ein Andenken bewahrt. Kapadia, der 2010 für „Senna“ Auszeichnungen erhielt, lässt Angehörige, Freunde und berufliche Weggefährten der Künstlerin zu Wort kommen. Prägnant stellt Kapadia das Verhältnis zwischen Amy und der Boulevardpresse heraus. Die Soulsängerin und der Filmemacher sind sich nie begegnet – einzige Gemeinsamkeit der Lebensmittelpunkt im nördlichen Londoner Stadtteil Camden. Der Song „Bobby Brown“ sorgte in Konzertsälen und auf Partys weltweit für Begeisterung. In den schwedischen und norwegischen Charts landete „Bobby Brown“ auf Platz 1. Das Werk von Rock-Legende Frank Vincent Zappa enthält einige sexuelle Bezeichnungen, es zählt jedoch zu den beachtenswerten Schöpfungen der Musikgeschichte. Dem erfahrenen Dokumentarfilmer Thorsten Schütte (SHEILA UND NATASCHA – LEBEN UND LERNEN IN NAMIBIA) gebührt der Verdienst mit FRANK ZAPPA – EAT THAT QUESTION (Kinostart: 08. Dezember 2016) eine gelungene Recherche aus Interviews, Fernsehaufnahmen und Konzerten geschaffen zu haben, um das Lebenswerk Zappas zu würdigen. Etwaige Klischees und Vorurteile, einen Führer der Hippiebewegung vor sich zu haben, der grenzenlosem Drogenkonsum frönt, dürfen bezweifelt werden („Always a freak, never a hippie“). Schüttes Dokumentation erinnert an einen hart arbeitenden, selbstdisziplinierten Musiker und Komponisten, der eine professionelle Bühnenshow vor individuelle Bedürfnisse stellt. Auch von seinen Musikern erwartete Zappa Loyalität. Politische und religiöse Zuordnungen lehnte Zappa ab. Den Abbruch seines Berliner Konzertes (1968) durch Anhänger der APO verbat sich Zappa. Die künstlerische Freiheit stand der Rock-Legende näher als politische Statements für partikuläre Interessen. Auch der offiziellen amerikanischen Politik stand Zappa distanziert bis ablehnend gegenüber. Als Komponist bewegte er sich in andere Musikrichtungen. Die Klassik setzte seine Kompositionen um, Kent Nagano mit Orchester gab seiner Arbeit einen Klang. Zappa verstarb schon mit 52 Jahren (+ 09. Dezember 1993) nach schwerer Krankheit. Die von Schütte in Zusammenarbeit mit Willibald Wonneberger ausgewählten Interviews und TV-Mitschnitte bestätigen Zappas typisches Verhalten aus Humor, Ironie mit einem Hauch Zynismus, das unvergessen bleibt7.

Lisa Immordino Vreeland vermittelt mit PEGGY GUGGENHEIM – EIN LEBEN FÜR DIE KUNST (Kinostart: 05. Mai 2016) einen Blick in das Engagement der Sammlerlegende. Die aus wohlhabenden Verhältnissen stammende Peggy Guggenheim (1898-1979) schaffte sich ihr eigenes Betätigungsfeld mit moderner Kunst und den damit verbundenen engen Beziehungen zu den Vertretern der Stilrichtung. Die Regisseurin schildert anfangs die Entstehung des Guggenheim-Imperiums durch erfolgreiche wirtschaftliche Tätigkeit. Schicksalsschläge blieben allerdings nicht aus, bereits mit 13 Jahren verlor Peggy ihren Vater Benjamin Guggenheim, der beim Untergang des Luxusliners Titanic ertrank. Mit 21 schuf sich Peggy Guggenheim ein eigenes Profil. Ihre persönliche Entfaltung nahm in Paris den Anfang. Private Details aus ihrem Leben bleiben den Zuschauern nicht verborgen. Eng vertraut war Peggy mit dem Literaturkritiker John Holms, Marcel Duchamp war ihr intellektueller Ratgeber. Mit Raffinesse, Geschmack und wachsendem künstlerischen Verständnis stellte Peggy Guggenheim eine erstklassige Sammlung moderner Kunst zusammen, die Fachwelt beeindruckte ihre sensationelle Kollektion der Werke Jackson Pollocks. London, New York und Venedig zählten zu den Stationen, um ihre Werke zu präsentieren. Konsequent unterstützte die Mäzenin ihre Künstler, jedoch wurde es ihr kaum gedankt. Die Arbeit der Regisseurin Vreeland basiert auf einem großen Fundus unveröffentlichter Tonbandmitschnitte und Interviews, die Biografin Jacqueline Bograd Weld 1978/1979 mit der Sammlerin führte. Filmausschnitte, Grafiken und Statements des Picasso-Biografen John Richardson, des bekannten Kunsthändlers Larry Gagosian und des Oscar-Preisträgers Robert de Niro, Sohn des Künstlerpaares Robert de Niro, Sr. und Virginia Admiral, machen den wie ein Buch strukturierten dokumentarischen Streifen auch für Kunstlaien verständlich. Einen gesellschaftspolitischen Diskurs unternehmen die Schauspielerin Melanie Laurent und der Aktivist Cyril Dion in TOMORROW – DIE WELT IST VOLLER LÖSUNGEN (Kinostart: 02. Juni 2016). Die beiden Regisseure der Dokumentation greifen eine besorgniserregende Studie der Zeitschrift „Nature“ auf, die einen Zusammenbruch der Zivilisation in etwa 40 Jahren für möglich hält. Laurent und Dion machen eine Reise in 10 Länder (von den USA bis Indien), um Lösungsansätze für die Rettung der Welt zu suchen. Mit Experten, Wissenschaftlern und Praktikern werden die Klimaveränderung, der Umweltschutz, die Überbevölkerung, die richtige Ernährung, das Währungs- und Finanzsystem erörtert. Praktische Beispiele für alternative Energiepolitik, Urban Farming und einem vorbildlichen Schul- und Bildungssystem werden in Gesprächen mit Anwendern und Betroffenen verdeutlicht. Das Publikum muss eine enorme Stofffülle bewältigen, jedoch ist der Dokumentarfilm ein wertvolles Hilfsmittel für die Diskussion wirtschafts-, sozial-  und umweltpolitscher Fragestellungen. Etwa 1 Million Kinogänger Frankreichs sahen sich den Film von Melanie Laurent und Cyril Dion an, der einen CESAR als bester Dokumentarfilm gewann. Ein prominenter Streiter für den Klima- und Umweltschutz meldet sich zurück. Al Gore, ehemaliger Vizepräsident der USA (1993 – 2001 unter Bill Clinton), ergreift in IMMER NOCH EINE UNBEQUEME WAHRHEIT – DIE ZEIT LÄUFT (Kinostart: 07. September 2017) couragiert das Wort, um politische Entscheider und Öffentlichkeit vor den schlimmen Folgen des Klimawandels zu warnen. Bonni Cohen und Jon Shenk begleiten Gore 11 Jahre nach dem Beitrag EINE UNBEQUEME WAHRHEIT von Oscar-Preisträger Davis Guggenheim bei Climate Leaderships. Gore wirbt bei diesen Seminaren für einen Ausbau alternativer Energiequellen und verdeutlicht anhand von Statistiken die steigende Nutzung von Wind- und Solarenergie. Mit Hilfe von Grafiken und Videoclips beleuchtet Gore die Ursachen für das klimatische Ungleichgewicht und die Vielzahl der Umweltkatastrophen. Al Gore sucht gezielt das Gespräch mit internationalen Spitzenpolitikern, um für eine Reduzierung der Treibhausgase zu werben. Hinter den Kulissen des Pariser Klimagipfels (2015) zieht Al Gore geschickt die Fäden, um eine finanzielle Unterstützung zum Ausbau von Solarquellen in Indien zu arrangieren. Auch die umweltpolitischen Probleme in seiner amerikanischen Heimat lassen den Ex-Politiker nicht ruhen. Mit lokalen Entscheidern in Miami diskutiert Gore die sich häufenden Überschwemmungen nach Unwettern. In Georgetown lobt Al Gore - über die Parteigrenzen hinweg – den republikanischen Bürgermeister für den Ausbau alternativer Energien, betont wird die ethische Verantwortung für die nächsten Generationen. Den Herrn im Weißen Haus zu Washington scheint sich für die Bemühungen Gores und seiner Verbündeten kaum zu interessieren, Donald Trump kündigt namens der USA das Klimaschutzabkommen von Paris. Von Resignation bei Al Gore keine Spur – seine in den Climate Leaderships gewonnenen Sympathisanten unterstützen ihn in Zukunft als Multiplikatoren für den weltweiten Klimaschutz8.

Eine Dokumentation darf nicht unerwähnt bleiben. „Seefeuer“ („FUOCOAMMARE“, Kinostart: 28. Juli 2016) von Regisseur Gianfranco Rosi nimmt sich in sachlicher Weise der Flüchtlingsthematik an. Rosi, der mit „Seefeuer“ den Goldenen Bären der BERLINALE 2016 gewann, hatte sich für die Recherche bald 1 Jahr auf der zwischen Tunesien und Sizilien gelegenen Mittelmeerinsel Lampedusa aufgehalten. Der Betrachter erlebt zwei Welten. Die von Krieg und Hunger traumatisierten Fliehenden werden von seeuntüchtigen Booten unter großen Anstrengungen geborgen. Flüchtlinge und Retter sind für das Publikum keine Fremden oder anonyme Gruppen. Rosi gelingt es durch seine Kameraführung zwischen den Betrachtern und den Protagonisten Nähe herzustellen. Die Flüchtenden werden von  Marinesoldaten auf Schiffe gebracht, medizinisch betreut, mit Nahrung und Wasser versorgt. Die Toten werden in einem separaten Bereich des Schiffes aufgebahrt, um ihre Ruhe und Würde zu wahren. Die andere Handlungsseite des Films zeigt den Alltag der Inselbewohner mit ihren Sorgen. Die Betrachter lernen eine Fischerfamilie kennen. Den 12jährigen Samuele, Sohn der Fischerfamilie, der sich in der Schule mit Vokabeln und Grammatik in der Englisch-Stunde quält. Ein netter aufgeschlossener Junge, der in der Freizeit mit Freunden lieber mit der Steinschleuder auf Kakteen schießt. Seine Oma, die sich beim DJ der lokalen Radio-Station Volkslieder wünscht und die verstorbenen Flüchtlinge in ihr Gebet einschließt. Den Inselarzt Dr. Pietro Bartolo, der die Flüchtlinge in seiner Praxis betreut und sich bemüht, ihnen Fürsorge zukommen zu lassen. Auch Samuele ist einer von Bartolos Patienten. Der Dottore diagnostiziert dem Jungen „ein träges Auge“, das seine Sehkraft beeinträchtigt. Offenbar will die Regie durch die Sehprobleme des Jungen verdeutlichen, dass Politik und Gesellschaft das Flüchtlingselend in der Welt nicht richtig wahrnehmen. Auch Samueles Probleme im Englisch-Unterricht lassen darauf schließen, dass Rosi die westliche Welt auffordert, bald eine gemeinsame Sprache bzw. Lösung der Problematik zu finden. Schockierende Bilder, die Dr. Bartolo auf dem PC zeigt - die überfüllten Schiffe mit Flüchtlingen. Jeder Schutzsuchende musste an Schlepperbanden etwa 1000 bis 1500 Dollar zahlen, um in Sicherheit zu gelangen. Die Zuschauer erinnern sich an die dramatischen Notrufe der Flüchtlinge, die bei der Marine eingehen und es wird klar, dass etwas passieren muss9. Einen völlig anderen Blick auf die Flüchtlings- und Asylproblematik eröffnet der wichtige Dokumentarfilm DEPORTATION CLASS (seit 01. Juni 2017 in den Kinos) von Carsten Rau und Hauke Wendler (WADIM, 2011). Die beiden Filmemacher konnten eine Sammelabschiebung abgelehnter Asylbewerber in Mecklenburg-Vorpommern filmen. Während in den TV-Nachrichten derartige Meldungen als Kurzeinspieler über den Bildschirm flimmern, ist es den Regisseuren zu verdanken, den Hilfesuchenden als auch den mit der Abschiebung befaßten Ordnungsbeamten und Polizeikräften ein Gesicht und eine Stimme zu geben. Und damit nicht genug – ist auch ein leibhaftiger Innenminister des nördlichen Bundeslandes körperlich und verbal zur Stelle. Das Publikum erlebt einen nächtlichen Einsatz von Polizei und lokalen Ordnungskräften in der Flüchtlingsunterkunft. Die gesamte Abwicklung von der Identifizierung bis zur Verbringung der Familien in große Busse und den Transport von Stralsund bis zum Rostocker Flughafen Laage wird mit der Kamera genau dokumentiert. In Statements erläutern die Behördenmitarbeiter und die Polizeieinsatzkräfte die Umsetzung der Vollstreckungsabschiebung. Großen Wert legen die Beamten und ihr Minister auf die Feststellung, dass sie verpflichtet sind, das Gesetz in Form der Zwangsmaßnahme zu vollziehen. Deutlich wird in DEPORTATION CLASS, dass es zwischen Staat und Asylsuchenden erhebliche kommunikative beziehungsweise sprachliche Barrieren gibt. Für die Asylsuchenden sprechen Gezim, ein 41-jähriger früherer Verwaltungsangestellter, der auf eine bessere Zukunft in Deutschland für seine Familie hoffte und die 17-jährige Angjela, die an einem Stralsunder Gynasium den Unterricht besucht und die deutsche Sprache gut beherrscht. Zu den Beteiligten des Filmgeschehens zählen Angjelas Lehrer und Mitschüler, die sich über ihre bevorstehende Abschiebung tief betroffen zeigen. Auch das Leben in der albanischen Heimat der Hilfesuchenden und die Rückkehr in den perspektivlosen Alltag lassen nichts Gutes erahnen. Viele Fragen zu den von der Politik definierten sicheren Herkunftsländern und der Einzelfallprüfung von Flüchtlingen stellen sich dem an der Thematik interessierten Publikum nach der Projektion10.


» zurück zu "Filmarten"


1 Genauer Der Dokumentarfilm von Charles Messer in  „Geschichte des Internationalen Films“ (Herausgeber Geoffrey Nowell-Smith), S. 290 u. 291

2 Zur NS Propaganda und L. Riefenstahl vgl. Der Dokumentarfilm in „Geschichte des Internationalen Films“. S. 295 u. 296, zum Film-Genre in der Nachkriegszeit (GB u. USA) S. 299 u. 300

3 Zu meinen Erläuterungen siehe www.hdf.de u. www.landesfilmsammlung-bw.de


4 Mehr unter www.dok-leipzig.de

5 Silvia Hallensleben, „Alphabet“, epd Film Kritiken 11-2013, S. 46. Katrin Hoffmann, „Auf dem Weg zur Schule,“ epd FilmKritiken 12-2013, S.46. Weltkino Filmverleih, Presseheft „Zwischen den Stühlen“ (Kinostart: 18. Mai 2017), S.2 – S.13 mit detaillierten Hinweisen zu dem Filmprojekt. Ich danke Katharina Günther (Weltkino Filmverleih) für die freundliche Erlaubnis, dass Szenenfoto mit den Prüfern für das Zweite Staatsexamen aus „Zwischen den Stühlen“ nutzen zu dürfen.

6 20th Century Fox PresseService, HE NAMED ME MALALA – Dokumentarfilm über die jüngste Friedensnobelpreisträgerin, 10. Juli 2015, 11.16 Uhr.

7 Detaillierter Thomas Hüetlin, „500 Gründe zu sterben“, Der Spiegel (28/2015), 4. Juli 2015, S. 118 – S. 121. Empfehlenswert www.amy-derfilm.de und Regine Müller, „ASIF KAPADIA – Allein in Camden“, Handelsblatt 17./18./19. Juli 2015, S. 62. Siehe Patrick Seyboth, „Frank Zappa – Eat That Question”, epd Film Kritiken 12-2016, S.69.

8 Dietmar Kanthak, „Peggy Guggenheim – Ein Leben für die Kunst“, epd Film Kritiken 05-2016, S.55. Patrick Seyboth, Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen, epd Film Kritiken 06-2016, S.58 – S.59. Vorankündigung, IMMER NOCH EINE UNBEQUEME WAHRHEIT (Kinostart: 07. September 2017), KINO TIPPS Cinema-Arthouse & Filmtheater Hasetor OS August 2017, S.22. Silvia Hallensleben, IMMER NOCH EINE UNBEQUEME WAHRHEIT: UNSERE ZEIT LÄUFT, epd Film Kritiken 09-2017, S.63.

9 Zurück haltend wegen Kameraführung und Dialogen Patrick Seyboth, „Seefeuer“ epd film Kritiken 08-2016, S.46 – 47.

10 Beachte wegen Einzelheiten www.deportation-class-film.de und Pier 53 Filmproduktion, Informationsblatt über DEPORTATION CLASS (Kinostart: 01. Juni 2017).




Empfehlenswerte Websites:

Institut für Kino und
Filmkultur e. V. (IKF) Wiesbaden

www.film-kultur.de

Internationale Kurzfilmtage
Oberhausen

www.kurzfilmtage.de

Das Festival des deutschsprachigen Kurzfilms / Deutschland Österreich Schweiz Südtirol Luxemburg

www.bambergerkurzfilmtage.de

Rainer Werner Fassbinder
Foundation Berlin

www.fassbinderfoundation.de

Filmfest Hamburg

www.filmfesthamburg.de

Deutsches Kinder-Medien-Festival
Goldener Spatz Gera und Erfurt

www.goldenerspatz.de

Vision Kino gGmbH / Netzwerk für
Film- und Medienkompetenz Berlin

www.visionkino.de



„Der Western bleibt !“
(Einige) Grundzüge des Wildwestfilms für Kinogänger und Filmfans.

Mit HELL OR HIGH WATER, DIE VERFÜHRTEN (THE BEGUILED) und DAS ENDE IST ERST DER ANFANG

Laden Sie sich hier die gesamte Dokumentation herunter.


EINE SCHÖNE WEIHNACHTSZEIT
UND ALLES GUTE FÜR 2018
WÜNSCHT IHNEN TOBIAS GROHMANN