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Kinder- und Jugendfilm – Muss jungen Zuschauern bei der Identitätsfindung helfen

Filme für Jüngere können Elemente des Abenteuerfilms, komödiantische Züge, eine Kriminal-Story oder Animationen enthalten. Eine sachlich eingrenzbare Definition gibt es nicht. Kinder- und Jugendfilme dürfen allerdings nicht nur Fantasy und Märchen abbilden, sondern müssen die Situation der jungen Generation in der Welt der Erwachsenen darstellen. In Zeiten von Computerspielen, Internet und sozialer Netzwerke ist für ältere Kinder die Bezeichnung nicht positiv besetzt. Bedingt durch die Veränderung der Kino - und Filmangebote, die sich an alle Generationen richten, wird von FAMILY ENTERTAINMENT gesprochen.1

Blockbuster werden von Jüngeren als „cool“ gewertet, dennoch darf sich angesichts Finanzkrise, familiärer Probleme (hohe Scheidungsrate, Veränderungen in der Schul- und Arbeitswelt) der Bezug zur Realität nicht verlieren. Ein Blick in die Historie. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ältere Märchenfilme ausgewertet, weitere Produktionen dieser Art schlossen sich seit 1948 an. Furore machten beim Nachkriegspublikum ab den Fünfzigern die Werke mit den früheren Kinderstars Cornelia Froboess, Christine Kaufmann, Hansi Kraus und Michael Ande.

Die Dominanz des Fernsehens und die restriktive Jugendschutzgesetzgebung führten zum wirtschaftlichen Zusammenbruch vieler Kinos. Langsam kam die Einsicht, dass die Ausstrahlung von Märchen und sog. Kasperlefilmen keine Zukunft für den deutschen Kinderfilm bot. Inspiriert durch die englische Filmemacherin Marry Field, die sich mit ihren Schul- und Unterrichtsfilmen international einen Namen gemacht hatte, suchten deutsche Filmkreise und Politik den geeigneten Weg zur Reform des Kinderfilms. Unter Leitung von Curt Oertel, einem erfahrenen Regisseur und Produzenten, liefen die Vorbereitungen zur Gründung einer Kommission für eine Kinderfilmstiftung an.

Dieser Versuch scheiterte allerdings an Meinungsverschiedenheiten und finanziellen Fragen. Ein Preis zur Förderung „wertvoller Spielfilme für Kinder und Jugendliche“ in Höhe von DM 80 000,- wurde 1972 gestrichen. Mit den frei gewordenen Mitteln aus einer weiteren (erfolglosen) Kinder- und Jugendkinoaktion „Kuno“ wurde 1977 das Kinder-und Jugendfilmzentrum (KJF) gegründet. Während sich die Kinobesitzer gegenüber den Erfolgsaussichten zurückhaltend zeigten, nahmen sich gerade die Filmclubs, die Jugendeinrichtungen und die sich in Gründung befindlichen Kommunalen Kinos des Kinderfilms an. Der Verleih dieser Filme wurde über atlas film + av und das Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht FWU organisiert. Die kreativen Macher des Kinder- und Jugendfilms waren in München aktiv. Einer der Beteiligten ist Haro Senft, der mit anderen Filmemachern die Stiftung junger deutscher Film gründete. Ein Kinderkino im Olympiazentrum, das erste dieser Art, wurde eingerichtet.2

Orientiert an der französischen „Nouvelle Vague“ sind weitere Münchener Filmemacher engagiert, zum Beispiel Hark Bohm. Sein Film „Tschetan, Der Indianer“ ist ein Mix aus Jugendfilm und Western. Weitere realitätsbezogene Kinderwerke sind „Metin“(1979) und „Kleiner Mann was tun“ (1981).3

Die aktuelle Situation des Kinderfilms stellt sich differenziert dar. Von den zehn internationalen Kinderfilmen, die 2001 bis 2010 in Deutschland mit den höchsten Besucherzahlen liefen, waren neun amerikanische Animationsfilme, beliebt waren dreimal Ice Age, zweimal Madagascar und zweimal Shrek. Auf dem vorletzten Platz war der einzige deutsche Beitrag zu finden, „Wickie und die starken Männer“ (2009) von Michael „Bully“ Herbig mit fünf Millionen Besuchern.
Die von Filmexperten und Literatur geltend gemachte Forderung, Geschichten aus der Realität für Kinderfilmstoffe zu fördern, findet bei der Politik Beachtung. Parallel zu den in den Kinos gespielten Mainstream-Produktionen sollen Realfilme einen Platz finden, damit die junge Generation auch Stoffe kennenlernt, die sie existenziell betreffen. Als Vorbild gelten Dänemark und Holland, die sich konzentriert um die Förderung der Kinder- und Jugendfilme bemühen. Der Kinderfilm soll nicht nur nach den Bestsellerlisten der Literatur umgesetzt werden, sondern den jungen Kinobesuchern eine Vielfalt an inhaltlichen Themen anbieten, die Lebenswirklichkeit und Realitätsnähe zeigen.4

Filmische Beispiele sind „Wintertochter“ von Johannes Schmid oder „Wer küsst schon einen Leguan“ von Karola Hattop. Anspruchsvolle Originalstoffe müssen über Foren/Kinderfilm Festivals, namentlich Lucas Frankfurt am Main oder Goldener Spatz Gera/Erfurt, für die junge Generation kenntlich gemacht werden. Mit der siebten Novellierung des Filmförderungsgesetzes (FFG) hat der Kinder- und Jugendfilm eine stärkere Berücksichtigung erfahren. Das novellierte Gesetz gilt ab Januar 2014 und ist auf Ende 2016 befristet.5

Die öffentlich-rechtlichen Sender, unter anderem der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR), die Medienwirtschaft, die Filmförderer der Bundesländer, die Beauftragte der Bundesregierung für  Kultur und Medien und die Deutschen Kindermedienstiftung Goldener Spatz bilden die Förderinitiative „Der besondere  Kinderfilm“. Die Initiative versteht sich als ein Zusammenschluss, der gesellschaftlich-relevante Filme für die jungen Zuschauer fördern will. Hervorgehoben wird von den Verantwortlichen aus Sendern und Filmszene die Unterstützung von Werken, die den Jugendlichen bei der Lebensorientierung und Identitätsfindung helfen. Autoren und Produzenten können ein 15seitiges Manuskript mit Dialogszenen für einen Film vorlegen. Der Film soll sich an Zuschauer ab acht Jahren richten (FSK-Freigabe ab 6 Jahren). Zeitnah wählt eine Jury bis zu sechs Manuskripte aus, die eine finanzielle Unterstützung für die erste Drehbuchfassung erhalten können. Der Produzent kann außerdem eine Entwicklungsförderung beantragen (Euro 20 000,-- für den Drehbuchautor und Euro 5000,-- für den Produzenten in der ersten Förderstufe). Anschließend wählt die Jury zwei Projekte aus, die mit Hilfe der Sender hergestellt werden. Der Jury sollen je ein Vertreter der Fördereinrichtungen des Bundes und der Länder, Redakteure der Fernsehsender, Vertreter der Filmverleiher und des Fördervereins Deutscher Kinderfilm angehören. An dem Wettbewerb sollen sich mit der Kinderfilmmaterie erfahrene Drehbuchautoren beteiligen6.

VISION KINO veröffentlicht didaktische DVD zum Internationalen Holocaust-Gedenktag für Schüler und Pädagogen

Das seit über 10 Jahren bestehende Netzwerk für Film- und Medienkompetenz VISION KINO hat eine didaktische DVD zum Internationalen Holocaust-Gedenktag (27. Januar) für den Schulunterricht ab Jahrgangsstufe 9 veröffentlicht. Auf der DVD mit dem Titel „Film verstehen I Geschichte Holocaust“ sind 29 Ausschnitte aus 8 bekannten Spielfilmen enthalten, unter anderem ROSEN FÜR DEN STAATSANWALT (1959), AUF WIEDERSEHEN, KINDER (1987), DER PIANIST (2002), HANNAS REISE (2013). Die Schüler sollen anhand der Ausschnitte das Spannungsverhältnis zwischen geschichtlicher Wirklichkeit und der in den Filmen dargestellten Wirklichkeit herausarbeiten. Unterstützt wird das Projekt von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Fritz Bauer Institut7.

TSCHICK GEWINNT DEN YOUNG AUDIENCE AWARD DER EUROPEAN FILM ACADEMY

Fatih Akins Jugendfilm TSCHICK hat den Young Audience Award 2017 der European Film Academy (EFA) gewonnen. Kinderjurys aus 31 Ländern hatten mehrheitlich für Akins Werk votiert. Den Jurys gehörten Youngsters (12 bis 14 Jahre) aus St. Pölten/Wien (Austria), Sarajewo (Bosnien-Herzegowina), Athen (Griechenland), Helsinki (Finnland), Lissabon (Portugal) und Valetta (Malta) unter anderem an. Die beiden Hauptdarsteller aus TSCHICK, Newcomer Anand Batbileg und Tristan Göbel (WINNETOUS SOHN) nahmen die Auszeichnung, eine Statuette/Frauenfigur mit einem Gewicht von 2 KG von EFA-Direktorin Marion Döring entgegen. Wettbewerbsbeiträge von TSCHICK waren MEIN LEBEN ALS ZUCCHINI und DAS MÄDCHEN VON ÄNZILOCH8.



Filmempfehlungen für Youngsters:


WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK.
Deutschland 2014  
Regie: Burhan Ourbani
Drehbuch: Martin Behnke und Burhan Ourbani

Ourbani verfilmt eine fiktive Geschichte um die ausländerfeindlichen Krawalle im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen in der Nacht vom 24./25. August 1992. Sein Debüt feierte Ourbani, Sohn afghanischer Eltern, mit SHAHADA 2010 auf der BERLINALE. In WIR SIND JUNG. Wir SIND STARK. geht es um eine Gruppe von Jugendlichen zu der Stefan (Jonas Nay) und Jennie (Saskia Rosendahl) zählen. Auf der anderen Seite steht die Vietnamesin Lien (Trang Le Hong) mit ihrer Familie, die angesichts der Brandanschläge um ihr Leben fürchten muss. Devid Striesow spielt einen Lokalpolitiker, der im Kreis „seiner Parteifreunde“ wenig Interesse zeigt, die Eskalation zu verhindern. Dem Regisseur gelingt es, den Wechsel zwischen Empathie und Aggressivität im Spiegel der damaligen wirtschaftlichen Krise in Ostdeutschland herauszustellen9.


DIE BAUMHAUSKÖNIGE (Kinostart: 07. April 2016)
Niederlande 2014 
Regie: Margien Rogaar
Drehbuch: Tijs van Marle, Margien Rogaar  
FSK 6

Ziggy(Kees Nieuwerf) und Bas(Julian Ras) sind lange befreundet. Aufgrund besserer Noten wird Ziggy nach den Sommerferien eine weiterführende Schule besuchen und Latein als Unterrichtsfach wählen. Bevor sich ihr gemeinsamer schulischer Weg trennt wollen die Jungen zum letzten Mal am Wettbewerb um das höchste Baumhaus im Abenteuercamp teilnehmen, um ihren Meistertitel zu verteidigen. Bas entscheidet sich jedoch, das Cola-Team beim Wettkampf zu unterstützen. Da Ziggy einem üblen Scherz der Cola-Jungs auf den Leim geht und bei „der Aufnahmeprüfung“ durchfällt, muss er sich der Gruppe seines jüngeren Bruders Flin (Bart Reuten) anschließen. Aus Ziggy und Bas werden Gegner. Das Cola-Team setzt Flin fest, da Bas die Konkurrenten des Diebstahls von Balken verdächtigt. Es kommt zu Handgreiflichkeiten bei denen Bas seinen ehemaligen Freund verletzt. Ziggy, der aus Verärgerung über das fiese Verhalten des Cola-Teams „einen Schlachtplan“ ausarbeitet, verursacht fahrlässig eine schwere Verletzung seines Bruders. Bas sorgt für die schnelle medizinische Versorgung von Flin. Ziggy und Bas erkennen die Sinnlosigkeit ihres Treibens und schließen Frieden. DIE BAUMHAUSKÖNIGE ist ein gelungener Film über Mut und Freundschaft, der auf den Kinderfilmfestivals LUCAS (Frankfurt am Main) und MICHEL (Hamburg) ausgezeichnet wurde.


RICO, OSKAR UND DER DIEBSTAHLSTEIN (Kinostart: 28. April 2016)
Deutschland 2016 
Regie: Neele Leana Vollmar 
Drehbuch: Martin Gypkens  
FSK 6

Das Warten hat ein Ende. Nach RICO, OSKAR UND DIE TIEFERSCHATTEN (2014, Regie: N. L. Vollmar) und RICO, OSKAR UND DAS HERZGEBRECHE (2015, Regie: Wolfgang Groos) hat  Neele Leana Vollmar den 3.Teil der Rico- und Oskar-Geschichten von Andreas Steinhöfel in Berlin und an der Ostsee verfilmt. Juri Winkler als Oskar und Anton Petzold als Rico gefallen in den Rollen als pfiffige Kinderdetektive, die dem Diebstahl eines wertvollen Kalbsteins auf der Spur sind. Leider muss zu Beginn der Tod von Herrn Fitzke (Milan Peschel) beklagt werden, der von dubiosen Zeitgenossen wegen des Steines bedrängt worden ist. Das Publikum lernt an der Berliner Dieffe endlich Oskars Vater (Detlef Buck) kennen, der sich bemüht, eine Beziehung zu seinem Sohn aufzubauen. Fahri Yardim kommt als trotteliger Gauner den gewieften Junior-Detektiven aus der Hauptstadt in die Quere während Ricos Mutter Tanja (Karoline Herfurth) mit ihrem Lebensgefährten Simon (Roland Zehrfeld) „einen Knutschurlaub“ im fernen Asien genießt. Tristan Göbel, bekannt aus WINNETOUS SOHN, ist als Sven dem Ermittler-Duo bei der Tataufklärung behilflich. Pädagogisch wertvoll sind die animierten Einschiebungen, die den jüngsten Kinofreunden Fremdwörter auf verständliche Weise erläutern10.


AUF AUGENHÖHE (Kinostart: 15. September 2016)
Deutschland 2016
Regie und Drehbuch: Evi Goldbrunner, Joachim Dollhopf

Eine Realverfilmung, die für die ganze Familie lehrreich ist. Michi (Luis Vorbach) wächst in einem Kinderwohnheim auf. Eines Tages findet er einen Brief seiner verstorbenen Mutter mit einem Hinweis auf seinen leiblichen Vater. Nach Zankerei mit seinen Freunden und den Betreuern flüchtet der Junge bei Nacht und Nebel, um seinen Vater in Augenschein zu nehmen. Die Erwartungshaltung und Fantasie, eine starke, imposante Erscheinung kennenzulernen, begleitet Michi auf seiner Suche. Michi nimmt eine Rudermannschaft auf der Ruhr wahr. Zu seinem Entsetzen stellt sich heraus, dass sein Vater der kleinwüchsige Steuermann Tom (Jordan Prentice) ist. Die Beiden durchlaufen einen Parcours der Vorurteile und werden von ihrer Umwelt auf das Übelste gemobbt. Die Lage scheint aussichtslos, da Michi seinen Vater mit Halbwahrheiten und Ausreden verleugnet. Spät werden die Beiden ein Team, doch der Fehler einer Vertreterin des Jugendamtes (Anica Dobra) offenbart, dass Tom doch nicht Michis leiblicher Vater ist. Die schriftliche Benachrichtigung des Vaters stellt die Dame vom Amt in das Ermessen von Michi, der jedoch zunächst die persönliche Beziehung zu Tom stärken möchte. AUF AUGENHÖHE ist nach WINNETOUS SOHN und ENTE GUT ! MÄDCHEN ALLEIN ZUHAUSE der dritte Film aus der Initiative „Der besondere Kinderfilm“, der nicht nach einem Roman, sondern nach einem originären Drehbuch umgesetzt wurde11.


ALLEIN GEGEN DIE ZEIT (Kinostart: 27. Oktober 2016)
Deutschland 2016 
Regie: Christian Theede 
Drehbuch: Michael Demuth, Ceyland Yildrim

Origineller Mystery-Thriller nach der gleichnamigen erfolgreichen Echtzeitserie. Eine Berliner Oberstufenklasse wird bei einer Exkursion im Hildesheimer Dom von einer schweren Explosion überrascht. Ein Teil der Schüler und ihr Lehrer geraten in die Gewalt einer ominösen Sekte, die sich die Irminsul-Statue verschaffen will. In einem besonderen Ritual wollen die Sektierer ewiges Leben und die Weltherrschaft erlangen. Ben, Jonas, Özzi, Leo und Sophie setzen ihre ganze Kraft ein, um ihre Klassenkameraden zu befreien. Verfolgungsjagden tragen zur Spannung bei, etwas Herzschmerz zählt zur Handlung. Darsteller in Theedes Jugendthriller sind Janina Fautz (DIE WILDEN KERLE 5), Stephanie Amarell (DAS WEISSE BAND), Stephan Grossmann (FREISTATT) und Stipe Erceg (DIE VAMPIRSCHWESTERN 1 & 2)12.


TIMM THALER ODER DAS VERKAUFTE LACHEN
(Kinostart: 02. Februar 2017)
Deutschland 2016
Regie: Andreas Dresen 
Drehbuch: Alexander Adolph
nach dem Roman von James Krüss

Der Bestsellererfolg von James Krüss hat es auf die Kinoleinwand geschafft. Bereits die weihnachtliche TV-Serie (1979) im ZDF mit Thomas Ohrner als Timm Thaler brachte es auf hohe Einschaltquoten. Für seine Adaption hat Erfolgsregisseur Dresen Arved Friese als Timm besetzt, der die Mitmenschen mit seinem Lachen einnimmt. Obwohl Timm mit seinem Vater (Bjarne Mädel) in Armut lebt, ist er stets guter Laune und bei seinen Freunden beliebt. Einige Besuche mit seinem Vater auf der Rennbahn führen nicht zu den gewünschten Wetterfolgen. Der skrupellose und habgierige Baron Lefuet (Justus von Dohnanyi), der ein weltweit tätiges Firmenimperium dirigiert, bedrängt Timm, ihm sein Lachen zu verkaufen. Die beiden Matadoren schließen einen Vertrag, als Gegenleistung wird Timm jede Wette auf der Rennbahn gewinnen. Zwar hat Timm bei den Pferderennen und anderen Wetten immer Glück, zu seinem Entsetzen stellt er fest, dass sein Lachen abhanden gekommen ist. Zu allem Unglück muss er den tragischen Tod seines Vaters verarbeiten und sich gegen die Intrigen seiner böswilligen Stiefmutter Lydia (Steffi Kühnert) wehren. Doch seine treuen Freunde Ida (Jule Hermann) und Kreschimir (Charly Hübner) eilen Timm zur Hilfe, um sein Lachen wieder zu finden. Dresen hat die Romanvorlage von Krüss unterhaltsam gestaltet. Das (junge) Publikum erlebt einen Wechsel aus Komödie, Abenteuer, Fantasy und Drama mit zeitgemäßen Aspekten. Bekannte Gesichter aus Film und TV zählen zum Cast. Eine Menge Ulk verbreiten Axel Prahl und Andreas Schmidt (+ 28. September 2017) als Lefuets Handlanger Behemoth und Belial. Harald Schmidt als temperamentvoller Sprecher auf der Rennbahn, Rockgröße Heinz Rudolf Kunze als Timms Schuldirektor und Thomas Ohrner als Concierge im Grand Hotel fördern das Treiben in dem angesagten Kinder- und Familienfilm13.


NUR EIN TAG
Deutschland 2017
(Kinostart: 29. Juni 2017)
Regie und Drehbuch: Martin Ballscheit

Der Kinderbuchautor Martin Ballscheit celebriert sein Leinwanddebüt mit der Adaption seines Werks NUR EIN TAG. Der lustige Film ist für Kinder ab 5 Jahren geeignet, jedoch auch für Jugendliche und Erwachsene sehenswert. Die projizierte Fabel zeigt eine Eintagsfliege (Karoline Schuch), die auf Fuchs (Lars Rudolph) und Wildschwein (Aljoscha Stadelmann) trifft. Fuchs und Wildschwein gelingt es nicht, der Eintagsfliege zu erklären, dass sie den nächsten Tag nicht erleben wird. Die drei „tierischen Matadoren“ machen sich dennoch gemeinsam auf den Weg, um das Glück in den nächsten 24 Stunden zu erkunden. Eintagsfliege, Wildschwein und Fuchs werden – entgegen den üblichen Spielfilmen über Tiere – von einem Team prominenter Schauspieler dargestellt. Als weitere Eintagsfliege taucht Anke Enkelke in der Ballscheit-Szenerie auf14.


ES WAR EINMAL INDIANERLAND 
Deutschland 2016
(Kinostart: 19. Oktober 2017)
Regie: Ilker Katak 
Drehbuch: Nils Mohl

Einen dynamischen Bild- und Szenenwechsel zeichnet Ilker Cataks ES WAR EINMAL INDIANERLAND  aus. Die Kreation ist ein Mix aus Märchen, Roadmovie und Coming-of-Age-Story. Katak (SADAKAT), der bereits den Max-Ophüls-Preis und den Studenten-Oscar gewonnen hat, adaptiert den gleichnamigen Roman von Nils Mohl (Mohl ist für das Drehbuch verantwortlich). Die Filmkulissen bestehen aus einer tristen Hochhaussiedlung in der der 17-jährige Mauser (Leonard Schleicher), sein Vater (Clemens Schick) und dessen zweite Frau leben. Die väterliche Fürsorge für Mauser hält sich in Grenzen. Dafür ist der Jugendliche stark an Jackie (Emilia Schüle) interessiert, die mit ihren Angehörigen im feinen Villenviertel lebt. Weitere Protagonistin ist die 21-jährige Edda (Johanna Polley), die in einem originellen Laden für Süßigkeiten schafft. Mit ihrem streberhaften Äußeren ist Edda das Gegenteil von der quirligen Jackie. Zwischendurch taucht ein Indianer (Robert Alan Packard) auf, den nur Mauser wahrzunehmen scheint. Zwischen Hochhaussiedlung mit Kleinkriminellen und Parties in schicker Villa mit schrägem Outfit und Drogenkonsum wird ein Festivaltrip in Angriff genommen. Ein Verbrechen in der Siedlung sorgt für Gesprächsstoff. Fühlte sich Mauser anfangs zu Jackie hingezogen, scheint er Gefühle für Edda zu entwickeln, die ihm rätselhafte Nachrichten schreibt und ihn mit ihrem alten Käfer zum Festival chauffieren will (dort soll sich sein Vater aufhalten). Mauser, der eigentlich abstinent lebt, kommt mit Drogen in Berührung und weiß später nicht zwischen Einbildung und Wirklichkeit zu unterscheiden15.


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1 Vgl. Horst Schäfer u. Irene Schoor „Der junge deutsche Kinderfilm“,1. Auflage 2011, S. 161 – S. 163.

2 Prägnant „Ehrung von Haro Senft mit der Berlinale-Kamera/Laudatio von Dieter Koddlick“ in Kinder Jugend film Korrespondenz Nr. 130-2/2012, S. 2. Zum Profil des Kinderkinos München beachte Kapitel Kinoarten.

3 Zur Entstehung des deutschen Kinder- u. Jugendfilms mit den erwähnten Filmhandelnden habe ich das Buch „Der junge deutsche Kinderfilm“ von H.Schäfer u. I. Schoor berücksichtigt. Maßgeblich sind die S. 14 bis S. 25, „Initiativen für einen anderen Kinderfilm“, „Der Neue Deutsche Kinderfilm“, „Eine neue Kinderfilmkultur entsteht“ u. „Metin ein türkischer Junge aus Kreuzberg“. Barbara Felsmann in Filmgenres „Kinder- und Jugend-Film“, 2010, „Tschetan, der Indianerjunge“, S. 167 – S. 171

4 Bezüglich der Förderung des Kinderfilms nach Originalstoffen weise ich auf das „lexikon des internationalen films (filmjahr 2011)“ hin, siehe die Statements „Kein Mut, kein Geld“(Katrin Hoffmann),S. 27 – S. 30, „Für Vielfalt“(Margret Albers) S. 31 u. „Gut gemeint reicht nicht“ (Klaus-Dieter Felsmann) S. 31/S. 32, „Besucherzahlen oder die Quote dürfen nicht als alleiniger Maßstab des Erfolgs dienen“/Gespräch Bernd Neumann (mit Manfred Hobsch)in „lexikon des internationalen films“, S. 41 – S. 43.

5 Vgl. Christel Strobel/Hans Strobel „Deutsches Kinder-Medien-Festival: Kino- TV-Online“ in KinderJugendfilmKorrespondenz Nr. 131 – 3/2012, S. 38/S. 39 u. www.lucasfilmfestival.de
Reinhard Kleber, „Bundestag hat siebte FFG-Novellierung beschlossen“, KinderJugendfilmKorrespondenz Nr. 135-3/2013, S. 38/S. 39

6 Siehe Katrin Hoffmann „Creative Writing“, epd Film Journal 4-2013, S. 11 u. Reinhard Kleber, Förderinitiative „Der besondere Kinderfilm“ gestartet, KinderJugendfilmKorrespondenz Nr. 134-2/2013, S. 49 - S. 50. Vgl. www.der-besondere-kinderfilm.de.

7 VISION KINO I Newsletter Januar 2017, 26.Januar 2017, 09.21 Uhr. Siehe www.visionkino.de/publikationen/didaktische-dvds/dvd-film-verstehen-geschichte-holocaust/  

8 Deutsche Kindermedienstiftung Goldener Spatz, Tschick gewinnt den EFA Young Audience Award 2017, 10. Mai 2017, 10.17 Uhr.

9 Dietmar Kanthak, WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK, epd film Kritiken 1-2015, S.61.

10 farbfilm verleih, DIE BAUMHAUSKÖNIGE, www.farbfilm-verleih.de. Weitere Filmstarts, DIE BAUMHAUSKÖNIGE, epd film Kritiken 4-2016, S.71. Katrin Hoffmann, RICO, OSKAR UND DER DIEBSTAHLSTEIN, epd film Kritiken 05-2016, S.49. Ralf Blau, RICO, OSKAR UND DER DIEBSTALSTEIN, Cinema Mai(05-2016), S.36.

11 Katrin Hoffmann, AUF AUGENHÖHE, epd Film Kritiken 09-2016, S.63.

12 X Verleih Newsletter, ALLEIN GEGEN DIE ZEIT, 28. Oktober 2016, 00.01 Uhr. Ralf Blau, (Kino) ALLEIN GEGEN DIE ZEIT, Cinema November (11-2016), S.63.

13 Constantin Film PresseService, TIMM THALER ODER DAS VERKAUFTE LACHEN feiert Premiere in Berlin, 30. Januar 2017, 09.38 Uhr.

14 Senta Koske (W-film Distribution), Kinotour „Nur ein Tag“ mit Martin Ballscheit, 19. Mai 2017, 13.11 Uhr. Ich danke Desiree Wilde (W-film Distribution) für die freundliche Erlaubnis, das Szenenfoto, © W-film/Heimatfilm, mit Karoline Schuch, Aljoscha Stadelmann und Lars Rudolph aus NUR EIN TAG(Kinostart: 29. Juni 2017) nutzen zu dürfen.

15 Genauer Britta Schmelz, ES WAR EINMAL INDIANERLAND, epd Film Kritiken 10-2017, S.65.

Empfehlenswerte Websites:

Institut für Kino und
Filmkultur e. V. (IKF) Wiesbaden

www.film-kultur.de

Internationale Kurzfilmtage
Oberhausen

www.kurzfilmtage.de

Das Festival des deutschsprachigen Kurzfilms / Deutschland Österreich Schweiz Südtirol Luxemburg

www.bambergerkurzfilmtage.de

Rainer Werner Fassbinder
Foundation Berlin

www.fassbinderfoundation.de

Filmfest Hamburg

www.filmfesthamburg.de

Deutsches Kinder-Medien-Festival
Goldener Spatz Gera und Erfurt

www.goldenerspatz.de

Vision Kino gGmbH / Netzwerk für
Film- und Medienkompetenz Berlin

www.visionkino.de



„Der Western bleibt !“
(Einige) Grundzüge des Wildwestfilms für Kinogänger und Filmfans.

Mit HELL OR HIGH WATER, DIE VERFÜHRTEN (THE BEGUILED) und DAS ENDE IST ERST DER ANFANG

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EINE SCHÖNE WEIHNACHTSZEIT
UND ALLES GUTE FÜR 2018
WÜNSCHT IHNEN TOBIAS GROHMANN