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Kriegsfilm

Kriegsfilm –  Spielfilme über Schlachten zwischen Stämmen und Völkern aus der Antike und dem Mittelalter, die mit einfachen Waffen zu Pferd oder zu Fuß geführt werden, zählen zum Historien- bzw. Monumentalfilm. Davon zu unterscheiden sind Kriegsfilme mit Tieffliegern, Bombern, Maschinengewehrfeuer, Soldaten in Schützengräben und auf Gefechtsständen, automatisch gesteuerte Projektile, Spezialeinsatzkräfte mit High Tech-Equipment, die in der Lage sind, Menschen, Gebäude und Städte zu töten oder zu zerstören. Das Genre wird nach Literaturdarstellung für die Feindseligkeiten zwischen Staaten ab 1900 eingegrenzt, zum Beispiel als dokumentarische Berichterstattung, als situativer Rahmen zu einem Melodrama, die sich in Plots über das Schicksal von Soldaten in Kriegsgefangenschaft oder den Eingliederungsversuchen von Kriegsheimkehrern in die Gesellschaft widerspiegeln. Politische Hintergründe und Ideologie sind weitere Merkmale des Kriegsfilms. Je nach Absicht von Regie, Produktion oder Filmförderung kann mit dem Genre eine politische Aussage verfolgt werden. Das Publikum kann von der Sinnlosigkeit des Tötens und der Grausamkeit gewalttätiger Auseinandersetzungen durch den Film überzeugt sein, das Genre ist auch als Anti-Kriegsfilm wahrnehmbar1.

Der Kriegsfilm hat einige Gemeinsamkeiten mit dem Western und dem Kriminalfilm. Der Gute begibt sich hinter die feindlichen Linien, um den Aggressor zu überlisten. Die Ausnahmesituation des Krieges zeigt in dem Film oft die wahren Tugenden eines Soldaten, sein Einstehen für bedrohte Kameraden oder die unterdrückte Zivilbevölkerung. Ein weiteres Motiv ist die Darstellung des Kriegs als Schicksalsschlag für alle Beteiligten. Alle Betroffenen haben unter den grausamen Folgen der Kriegshandlungen zu leiden2. Die beiden Weltkriege und spätere Ereignisse der neueren internationalen Geschichte bilden die Motive für viele Kinospielfilme (Vietnam-Krieg, Golf-Kriege, Bundeswehreinsatz Afghanistan).

(Einige) Beispiele:

  • Herzen der Welt (1918) von D. W. Griffith Besetzung eines französischen Dorfes durch deutsche Soldaten / Der Film wird im Studio gedreht, Quelle Unterlagen/Dokumente.
  • Sergeant York (1941) – Regie Howard Hawks, Geschichte eines US-Kriegshelden, Gary Cooper erhält für die Hauptrolle den Oscar 3).
  • “Apocalypse Now” (1979) – Francis Ford Coppola
  • “Platoon” (1986) –  Oliver Stone
  • “Full Metal Jacket” (1987) Stanley Kubrick
    Der Vietnam-Einsatz der USA wird thematisiert.

Der mehrfach ausgezeichnete Film „Apocalypse Now“ wird als eine Mischung aus Action Abenteuer, Allegorie des Kriegswahns und einer Analyse des menschlichen Inneren interpretiert. Der Film soll eine Antwort auf die unergründlichen Mysterien von Gut und Böse sein. „Platoon“ ist die Beschreibung des Vietnamkriegs aus der Sicht eines amerikanischen Soldaten. Oliver Stone soll seine eigenen Erinnerungen in dem Werk verarbeitet haben. „Full Metall Jacket“ hat seinen Ursprung in dem autobiograhischen Roman von Gustav Hasford mit weiteren Texten von Michael Herr. Ein cholerischer Ausbilder staucht die ihm anvertrauten Rekruten gnadenlos zusammen. Sein
Ziel ist es, den Willen der jungen Soldaten für den Einsatz gegen den Vietcong zu brechen4.

Der Zweite Weltkrieg wurde von deutschen Filmemachern als Thema gewählt. Ein Klassiker ist „Die Brücke“ (1959) von Bernhard Wicki, Joseph Vilsmaier drehte 1993 „Stalingrad“.

Golfkrieg von 1991: „Three Kings“ (1999) Regie: David Russell – mit George Clooney, Mark Wahlberg5.

Afghanistan „Generation Kunduz – Der Krieg der Anderen“ (2012) Regie: Martin Gerner – Ein Portrait über afghanische Jugendliche. Der 10jährige Mirwais redet über den Krieg in seinem Heimatland wie ein Erwachsener. Eine Radiomoderatorin engagiert sich für die Gleichberechtigung, ein politisch aktiver Student hofft auf freie Wahlen6.

„Zwischen Welten“ (2014) Regie: Feo Aladag – Der Bundeswehrsoldat Jesper (Ronald Zehrfeld) soll mit seinen Kameraden ein afghanisches Dorf vor Taliban schützen. Mit Hilfe des Übersetzers Tarik (Moshin Ahmady) soll der Kontakt zu den Einheimischen hergestellt werden. Tarik möchte mit seiner Schwester aus Angst vor Repressalien seine Heimat verlassen.

„Lone Survivor“ (2013)  Regie: Peter Berg – Spielfilm über einen misslungenen Einsatz von amerikanischen Navy-Seals in Afghanistan. Berg nutzt als Vorlage die gleichnamige Biografie von Marcus Luttrell. 19 amerikanische Soldaten fallen der Überzahl von Taliban-Kämpfern zum Opfer. Regisseur Berg stellt die Soldaten und Gegner mit ihren persönlichen Hintergründen vor7.

„A War“ (2015) Regie: Tobias Lindholm – Der dänische Spielfilm ist kein Wohlfühlkino. Die von Lars von Trier und Thomas Vinterberg getragene Dogma-Bewegung hinterlässt in den Filmen der dänischen Nachbarn Spuren. Existenzielle Gesichtspunkte sind unverkennbar8. Tobias Lindholm hat in seinem Kriegsdrama „A War“ (Kinostart: 14. April 2016) das Für und Wider militärischer Auslandseinsätze in den Mittelpunkt gestellt. Der dänische Offizier Claus Pedersen (Pilou Asbaek) ist mit seiner Einheit in einen Hinterhalt geraten. Das Ziel, die Angriffe feindlicher Taliban, die ein afghanisches Dorf bedrohen, abzuwehren, scheint nur mit Luftunterstützung möglich. In der unübersichtlichen Lage trifft der Kommandant eine Fehlentscheidung, die den Tod von Zivilisten nach sich zieht. Pedersen muss sich in der Heimat einem Gerichtsverfahren stellen. Lindholm arbeitet die Widersprüche der Kriegssituation heraus. Pedersen wird als ein integrer Offizier vorgestellt, der nah bei den Kameraden seiner Einheit ist und die afghanischen Zivilisten vor Terrorangriffen schützen will. Aufgrund der chaotischen lokalen Situation wird für den erfahrenen Kommandanten die Unterscheidung zwischen Feind und Freund unlösbar. Konsequenterweise stellt sich Claus Pedersen der gerichtlichen Klärung der Vorfälle. Handkamerabilder lassen die Zuschauer nah an den Geschehnissen teilhaben9.

„Dunkirk“ (2017) Regie: Christopher Nolan – Einen Kriegsfilm, der die üblichen Genrekonventionen verlässt, erlebt der Betrachter mit „Dunkirk“ (Kinostart: 27. Juli 2017) von Christiopher Nolan. Die Handlung spielt im 2. Weltkrieg (Ende Mai/Juni 1940) als an den Stränden von Dünkirchen etwa 400 000 britische und französische Soldaten auf ihre Rettung vor den nahenden deutschen Angreifern hoffen. Für die allierten Truppen bleibt nur die Flucht über den Kanal nach England als Ausweg. Im Vergleich mit anderen Kriegsfilmen ist in „Dunkirk“ der Gegner unsichtbar. Die Feldherren, die sich vor großen Karten und an langen Konferenztischen den Kopf über die richtige Taktik zerbrechen, zählen nicht zu Nolans Drehbuchinhalt. Die spannende Handlung findet ausschließlich an den Stränden von Dünkirchen, im Wasser und in der Luft statt. Das Kinopublikum erlebt das kriegerische Treiben hautnah mit. Das Leid und der Tod vieler Protagonisten sind elementare Bestandteile der zweistündigen Projektion. Nolan gliedert das Kriegsdrama in drei Teile („Die Mole: eine Woche“, „Die See, ein Tag“ und „Die Luft: eine Stunde“). Die Mole ist das Ziel von deutschen Fliegerbomben, ein Torpedo schlägt in ein voll beladenes Minensuchboot ein, zwei Spitfire-Piloten schalten die Feinde aus Nazi-Deutschland aus. Das heftige Kampfgeschehen wird durch den enormen technischen Aufwand erlebbar. „Dunkirk“ wurde im 65-Millimeter-Format mit Imax-Kameras auf die Leinwand gebracht. Auch die personelle Besetzung des Heroenfilms ist anderen Genreklassikern ebenbürtig. Fionn Whitehead spielt den Soldaten Tommy, der sich durch die Barrikaden Dünkirchens kämpft und auf seine Einschiffung hofft. Mark Rylance ist als einer der zahlreichen privaten Bootsbesitzer besetzt, der zur Armada der „Pleasure Boats“ gehört, die sich für die Rettung der Soldaten uneigennützig einsetzen. Ein mit dem Mut der Verzweiflung kämpfender Pilot (Tom Hardy), der heldenhaft seine Kameraden vor den Bombern verteidigt. Das Ereignis wurde bereits 1958 unter dem Titel „Dunkirk“ als englischer Spielfilm mit Richard Attenborough von Leslie Norman inszeniert10.


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1 Marcus Stiglegger, Kriegsfilm in Reclams Sachlexikon des Films, 3. Auflage 2011, S. 381 – S. 382. Hans-Jürgen Wulff, Lexikon der Filmbegriffe, CAU Christian Albrecht Universität zu Kiel, www.filmlexikon.uni-kiel.de, Kriegsfilm

2 M. Stiglegger, Kriegsfilm in Reclams Sachlexikon des Films, S. 381

3 Ronald Bergan, Kompakt & Visuell Film, 2007, Underground/ Kriegsfilm, S. 171 – S. 172

4 Angela Errigo, „Apocalypse Now“, Joanna Berrie, „Platoon“, Kim Newman, „Full Metal Jacket“ in “1001 Filme”, 9. Auflage 2012, S. 652, S. 734 und S. 744

5 Reinhold T. Schöffel, „Die Brücke“,  in Der Filmkanon (Alfred Holighaus), 2005, S. 120 – S. 125. R. Bergan, Kompakt & Visuell Film, S. 173

6 Siehe www.kirchliches-filmfestival.de/filme/generation-kunduz/index.html.

7 Frank Schnelle, „Zwischen Welten“ und Barbara Schweizerhofer, „Lone Survivor“, epd Film Kritiken 3-2014, S. 52 und S. 43

8 Ronald Bergan, Kompakt & Visuell Film, 2007, S.78 – S.79. Genauer Anke Sterneborg, „Wir schaffen zusammen !“, epd Film Dänemark-Skandinavier 04-2016, S.38 – S.45.

9 Ich danke Jenny Szillat von Pure Online Digitale Kommunikation für die freundliche Erlaubnis, das Filmposter von „A War“ mit Pilou Asbaek (© Studiocanal) nutzen zu dürfen. Ralf Blau, Neues Kino aus Dänemark - A WAR, Cinema April (04-2016), S. 45.

10 Siehe Andreas Kilb, Die Explosion des Augenblicks, Frankfurter Allgemeine Zeitung 26. Juli 2017, S.9 und Verena Lueken, Jenseits aller Schlachten, Frankfurter Allgemeine Woche 28. Juli 2017 (31-2017), S.50 – S.51.

Empfehlenswerte Websites:

Institut für Kino und
Filmkultur e. V. (IKF) Wiesbaden

www.film-kultur.de

Internationale Kurzfilmtage
Oberhausen

www.kurzfilmtage.de

Das Festival des deutschsprachigen Kurzfilms / Deutschland Österreich Schweiz Südtirol Luxemburg

www.bambergerkurzfilmtage.de

Rainer Werner Fassbinder
Foundation Berlin

www.fassbinderfoundation.de

Filmfest Hamburg

www.filmfesthamburg.de

Deutsches Kinder-Medien-Festival
Goldener Spatz Gera und Erfurt

www.goldenerspatz.de

Vision Kino gGmbH / Netzwerk für
Film- und Medienkompetenz Berlin

www.visionkino.de



„Der Western bleibt !“
(Einige) Grundzüge des Wildwestfilms für Kinogänger und Filmfans.

Mit HELL OR HIGH WATER, DIE VERFÜHRTEN (THE BEGUILED) und DAS ENDE IST ERST DER ANFANG

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