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Musik- und Tanzfilm

Musik- und Tanzfilm – Ein vielschichtiges Genre mit Tradition  und unterhaltsamen Stories

Das Genre ist vielschichtig und hat eine lange Tradition. Der in den glanzvollen Jahren der Hollywood-Studios beliebte Musical- und Revuefilm setzt sich aus Schauspiel, Gesang und Tanz zusammen. Die Gesangsdarbietung steht im Vordergrund. Das Musikstück forciert das Geschehen, beschleunigt die gesungenen Dialoge und unterstützt die Charaktere. Als klassische Beispiele dienen die Filme mit Fred Astaire und Ginger Rogers, unter anderem „Tänzer vom Broadway“ (1949), Regie Charles Walters. Der erzählende Gesang ergänzt das Musical. Körper- und Tanzbewegungen demonstrieren die gefühlsmäßige Aussage des gesungenen Textes.
Das Bühnenmusical ist die Vorlage für den Musical-Film. Die Filmmusicals entstehen auf der Grundlage eines Drehbuchs und werden (teilweise) auf der Bühne oder in einem Musical-Theater zu einem späteren Zeitpunkt gespielt. Der Musical-Film hat Einfluss auf Jazz, Swing und Rock´n` Roll. Unterschiedliche Geschichten und Protagonisten werden im Musical-Film vorgestellt, ein komisches Paar, ein unglücklich verliebter Künstler oder eine Nachtclubsängerin. Meistens erlebt das Publikum eine Übersteigerung wahrer Geschehnisse ins Künstliche. Konzentriert sich das Genre auf das soziale Umfeld der Künstler kann der Musical-Film als Backstage-Musikdrama wahrgenommen werden. Eine Kombination mit anderen Filmarten, unter anderem dem Horrorfilm, dem Western oder Thriller ist möglich1.

Der amerikanische Film- und Literaturwissenschaftler Rick Altman gliedert es in die Subgenre Fairy Tale Musical, Show Musical und Folk Musical. Im Fairy Tale Musical wird eine utopisch märchenhafte Welt vermittelt. Bekanntes Beispiel ist „Mary Poppins“, (1964), Regie führte Robert Stevenson. Das Show Musical ist eine Produktion von Unterhaltung in Form von Theater, Variete oder Modenschau. Beispiel für ein Show Musical ist „Singing in the Rain“ (1952) von Stanley Donen. Rhythmische Bewegungen und realistische Handlungen sind miteinander verknüpft. Die von der Umwelt ausgehende Konfrontation gefährdet das Zusammensein der Liebenden. Musik und Tanz führen zum romantischen Sieg über alle Hindernisse. Regisseur Busby Berkeley („Broadway Träume“, 1934) brachte einen neuen Frauentyp ins Kino. Das von ihm erdachte „Flapper Girl“, das aus der Provinz nach New York kam und sich unter großen Mühen eine Rolle in einem Broadway Musical erarbeitet. Seine Kameratechnik erfuhr viel Anerkennung. Der sogenannte Top Shot von Berkeley beeindruckte durch Formationen vieler Tänzer, die sich aus Puzzeln zu Ornamenten entwickelten. Das Folk Musical zeigte am Broadway Wirkung. Themen des Subgenres sind die amerikanische Geschichte, Mythen der Einwanderung, die Betonung des Gemeinschaftsgefühls. Zu den künstlerischen Mitteln zählten die Chorgesänge in der Musik und die Gruppenchoreographie im Tanz. Beispiele sind „Show Boat“ (1951) von Regisseur George Sidney und „West Side Story (1961) von Robert Wise und Jerome Robbins2.

In Hollywood galt Musical-Star Fred Astaire als Perfektionist. Mit seinen choreographischen Beratern entwickelte er die Figur des freien, souveränen Manns in Frack und Zylinder. Astaire und seine Partnerin Ginger Rogers galten als Traumpaar Hollywoods, das Duo spielte in 10 Filmen zusammen3.

Der deutsche Tanzfilm setzte die amerikanische Revue fort. Bekannte Darstellerin in diesem Metier war Marika Rökk (Filmbeispiel „Die Frau meiner Träume“, 1944 – Regie:
Georg Jacoby). Nach dem 2. Weltkrieg änderte sich der Revuefilm in einen Schlagerfilm. Bekannte Künstler der Nachkriegszeit waren in Deutschland Heidi Brühl, Peter Kraus und Peter Alexander.

Beispiele:

  • „Liebe, Tanz und 1000 Schlager“ (1955)
    Regie: Paul Martin
  • „Wenn die Conny mit dem Peter“ (1958)
    Regie: Fritz Umgelter 4

Ende der Sechziger nahm die Popularität von Musical-Filmen ab. Infolge der Konkurrenz durch das Fernsehen und der Bevorzugung der Pop- und Rockmusik, Elvis Presley gewann zahlreiche Fans, kam es zu einer thematischen Veränderung bei dem Genre. Die Kinogänger interessierten sich für die Nutzung populärer Musik verknüpft mit realitätskonformen Geschichten. Großen Beifall fand der Musikfilm „Yeah ! Yeah !“ von Richard Lester mit dem Live Gesang der Beatles. Die Filmemacher verstanden, dass Musical-Filme in erster Linie mit neuen Inhalten Resonanz fanden, unter anderem waren „Jesus Christ Superstar“ (1973) von R. Norman Jewison oder die Rockballade „Tommy“ (1975) von Ken Russell populär. In den Achtzigern und Neunzigern blieben große Erfolge bei den Musical-Filmen aus.

1986 brachte Richard Attenborough „A Chorus Line“ in die Kinos. Der Regisseur verzichtete auf prominente Darsteller. Wirklichkeitsnah zeigt der Film die  Bemühungen einer Vielzahl unbekannter Tänzer, ein Engagement zu bekommen. Manche Kandidatin/Kandidat fällt bei der Prüfung durch. Julien Temple präsentierte im gleichen Jahr „Absolute Beginners“. Der erzählende Gesang und die tänzerischen Darbietungen  erinnern an die Tradition früherer Musical-Filme5

Tanzfilme fallen mehr durch melodramatische Züge auf. Persönlichkeiten, die Gesellschaft und kulturelle Konflikte treten in den Vordergrund. In den amerikanischen Tanzfilmen werden von den Regisseuren bekannte Hits genutzt. Gerade der Geschmack jüngerer Filmfans sollte getroffen werden. Beispiele sind „Saturday Night Fever“ (1977) von John Bedham und „Staying Alive“ (1983) von Sylvester Stallone mit bekannten Songs der Bee Gees. Die jungen Protagonisten waren Menschen wie Du und ich, gingen tagsüber einem Job nach, ihre Freude am Tanzen, Disco, Kleidung und Liebschaften lebten sie in der Freizeit aus. Die Aerobic- und Fitnesswelle der Achtziger reflektierte sich auf das Genre6

Aufsehen erregte 1987 der Tanzfilm „Dirty Dancing“ von Emile Ardolino. Jennifer Grey spielt eine Arzttochter, die sich auf einer Hotelanlage in einen Tanzlehrer und Entertainer (Patrick Swayze) verliebt. Der Vater der jungen Frau ist von der Beziehung wenig angetan, da er die Ex-Freundin des Tänzers wegen eines missglückten Schwangerschaftsabbruchs notfallmedizinisch versorgen muss. Die Liebenden finden jedoch ihr Glück als Tanz- und Lebenspartner. An der Kinokasse war „Dirty Dancing“ ein großer Erfolg. Trends setzte auch der US-Spielfilm „Flashdance“ (1983) von Adrian Lyne. Die Schweißerin Alex (Jennifer Beals) tanzt nach ihrer Schicht im Stahlwerk in einem ominösen Animierschuppen. Die männlichen Besucher des Lokals sind  mehr an Zweideutigkeiten als an musisch-kulturellen Werten interessiert. Alex Gedanken kreisen um die Aufnahme in die Tanzakademie. Hartes Training und wichtige Ratschläge einer früheren Ballerina geben den zukünftigen Weg vor. Eine Lovestory fehlt nicht. Ihr Chef (Michael Nouri) findet Gefallen an der aparten jungen Frau. Um Alex zu helfen, lässt er seine Connections zur Akademie spielen, damit sie vortanzen darf. Alex ist über die Mauschelei empört. Sie stellt sich dennoch der Prüfung, da sie sich moralisch ihrer zwischenzeitlich verstorbenen Ratgeberin verpflichtet fühlt. Trotz großer Anspannung besteht die Kandidatin mit einer bravourösen Tanzperformance. Von der Literatur als Werbespot bzw. Rockvideo und großen Kitsch verrissen, gefällt „Flashdance“ durch sehenswerte Tanzszenen und stimmungsvolle Musik. Tenor – du kannst es mit Fleiß schaffen, wenn du willst7.

Für die jüngsten Kinofreunde wurden aufwändige Zeichentrickfilme mit erzählerischem Gesang geschaffen, bekannte Produktionen sind „Arielle, die Meerjungfrau“ (1989), „Die Schöne und das Biest“ (1991) und „Aladdin“ (1992).

Mit neuen Ideen fanden zwei Musical-Filme Beachtung. Baz Luhrmann stellte 2001 „Moulin Rouge“ mit Nicole Kidman vor, ein Jahr später folgte Rob Marshall mit „Chicago“ (Cast: Catherine Zeta-Jones ). Der Tanz wird in eine Gesellschafts- und Liebesgeschichte eingebettet, das Publikum erfreut sich an neu arrangierten Popsongs. Lars von Trier steuerte mit „Dancer in the Dark“ (DÄNEMARK  SCHWEDEN FRANKREICH 2000) einen weiteren Beitrag zum Genre. Die Sängerin Björk spielt die erblindende Einwandererin Selma, die für Musicals lebt. Am Tag arbeitet sie in einer Fabrik, um ihrem Sohn (Vladica Kostic) eine wichtige OP finanzieren zu können, damit ihm ihr Schicksal erspart bleibt. Ihr Lohn wird von einem Polizisten (David Morse), der sich wegen des Lebensstils seiner Frau verschuldet hat, gestohlen. Zwischen Selma und dem Ordnungshüter kommt es zu einer folgenschweren Auseinandersetzung. Von Trier hat mit „Dancer in the Dark“ ein Musical amerikanischer Prägung mit dem Melodrama kombiniert8.

Für Teenager bietet das Kino unterschiedliche Tanz- und Musikfilme, unter anderem  “Save the last Dance” (2001), “Honey” (2003) oder “Step up: Miami Heat” (2012). Musik und Tanz sind wesentlicher Bestandteil, doch bestimmen Alltagssorgen das Wohl und Wehe der Helden.

Auch die DJs finden auf der Leinwand cineastische Würdigung. In „We are your Friends“ (Kinostart: 27. August 2015) von Regisseur und Drehbuchautor Max Joseph träumt Cole (Zac Efron) von einem sorgenfreien Leben als berühmter DJ für Electronic Sound in L.A.. Cole trifft auf den erfolgreichen DJ James (Wes Bentley), der ihm auf der Suche nach dem optimalen Sound hilft und ihn in seinem luxuriösem Anwesen aufnimmt. Zwischen heißen Rhythmen und Partys verliebt sich Cole in Sophie (Emily Ratajkowski), die mit seinem Förderer zusammen ist. Nach einigen Streitereien kann Cole endlich auf einem Festival in sonniger Beachatmosphäre seine eigenen Kompositionen mischen 9). Sehenswert ist der neuseeländische Film „We love to dance“ (Kinostart: 24. März 2016) von Tammy Davis, der den Hip Hop thematisiert. Der Schulabsolvent Tu (Tia Maipi) will sich bei der berühmten K-Crew bewerben. Sein Vater Zack (John Tui), ein Offizier in der Armee Neuseelands, schlägt seinem Sohn die krisensichere Soldatenlaufbahn vor. Die Aufnahme in die K-Crew scheitert, weil Tu ein Techtelmechtel mit der reizenden Tänzerin Sasha (Kherington Payne) hat und an der Objektivität der Prüfung zweifelt. Den National Battle gewinnt Tu mit eigenen Moves, die er gemeinsam mit Freunden und Sasha vor einem begeisterten Publikum tanzt. Ein dynamischer Tanz- und Musikfilm für junge Leute, der spannende Momente enthält, ist „Street Dance: New York“ (Kinostart: 14. Juli 2016) von Regisseur Michael Damian. Hervorzuheben ist, dass die Protagonisten in unterschiedlichen künstlerischen Milieus aktiv sind. Die junge Tänzerin Rubby (Keenan Kampa) hat ihr Studium an der renommierten New Yorker Ballett- und Musikakademie MCA aufgenommen. Aufgrund eines Stipendiums steht Rubby unter Beobachtung der autoritären MCA-Direktorin Madame Markova (Maia Morgenstern) und der Dozentin Oksana (Jane Seymour). Eine verständnisvolle Freundin findet Rubby in ihrer Leidensgenossin Jazzy (Sonaya Mizuno) mit der sie eine kleine Wohnung teilt. Obwohl Rubby Defizite im modernen Tanz hat, lässt sie es sich nicht nehmen, dem Londoner Violinisten Johnnie (Nicholas Galitzine) bei seinen Visa-Problemen zu helfen. Rubby, eine Street Gang aus der Nachbarschaft und Johnnie trainieren für einen Wettbewerb der Peterson-Stiftung. Die Performance der Nachwuchskünstler soll aus einer demonstrativen Verbindung von Ballett, Klassik und Street Dance bestehen. Obwohl sich Rubby und ihre Freunde bewusst sind, einen neuen kreativen Weg einzuschlagen, gehen sie das Wagnis ein. Bei einem Gewinn würde Johnnie eine Prämie in Höhe von 25000 Dollar und einen Studienplatz bei der Peterson-Stiftung erhalten wodurch seine Aufenthaltsgenehmigung gesichert wäre. Mit ihrer Intim-Feindin April (Anabel Kutay) droht Rubby eine ernst zunehmende Konkurrentin um den Preis. April ist die beste Tänzerin der MCA. Nach einem spannenden Wettbewerb entscheiden sich die Juroren nach anfänglichem Zögern für den Beitrag von Rubby und Johnnie, da sie die vorgetragene Kombination aus Ballett, Klassik und Street Dance für eine gelungene Innovation halten. „Street Dance: New York“ weist die klassischen Merkmale des Musik- und Tanzfilms mit Freund und Leid der Helden im privaten und beruflichen Umfeld auf, jedoch zeigt Regisseur Damian, dass unterschiedliche Tanz- und Musikstile mit guten Willen, Fleiß und Ausdauer eine erfolgreiche Richtung nehmen können10.

Musikfilme mit viel Gefühl kommen von John Carney („Can a song save your Life ?“). Seine neue Arbeit „Sing Street“ (Kinostart: 26. Mai 2016) nimmt die Kinogänger auf eine stimmungsvollen Trip in die Achtziger Dublins mit. Ferdia Walsh-Peelo als Conor und Lucy Boynton als Raphina wollen ihren Traum als Starmusiker und Model, die mit ihrem Können die Londoner Szene erobern, wahr werden lassen. Total unorganisiert formt Conor mit einem Schulfreund unter widrigen familiären und schulischen Bedingungen eine Popband mit tollen jungen Leuten, die mit ihren Songs schnell die Tanzsäle füllen. Die Kinogänger erleben eine unterhaltsame Story mit fetzigen Songs von Duran Duran bis Spandau Ballet11.

Der Musik- und Tanzfilm ist heutzutage durch Musical, Tanz, unterschiedliche Stile a la Hip Hop, Soul, Rock verbunden mit einer Geschichte aus dem Leben der künstlerischen Protagonisten bestimmt. Manchmal nimmt das Genre dokumentarische Züge an oder ist als Biopic erfahrbar, Beispiele sind „Mr. Gaga“ (Kinostart: 12. Mai 2016), „The Music of Strangers: YO-YO MA & The Silk Road Ensemble“ (Start: 15. September 2016) und „Die Tänzerin“ (Start: 03. November 2016). Für Musikbegeisterte hat Ron Howard („Made in America“) die musikalische Dokumentation „The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years“ (Kinostart: 15. September 2016) in die Kinos gebracht. Howard ist es gelungen, mit überarbeitetem Bildmaterial und Konzertausschnitten die Epoche der Beatlemania von 1962 bis 1966 in Erinnerung zu rufen. Das Publikum erlebt die Hamburger Zeit, die Auftritte der Band in Großbritannien, Amerika und Asien. Die Musik einer ganzen Generation mit kreischenden Fans und dem Kopfschütteln der Musiker bringt Howard den Kinogängern nahe als wäre es vor kurzer Zeit geschehen. Obwohl sich das Quartett in weltpolitischer Krisenzeit (Vietnam-Krieg, Ost-West Konflikt, Kennedy-Attentat) auf seine Musik konzentriert, machen sie aus ihrer Ablehnung der Rassentrennung in den USA kein Geheimnis. Paul McCartney, John Lennon, Ringo Starr und George Harrison sind fleißige Studiomusiker zwischen Konzerten und PR-Terminen, um neue Stile zu entwickeln. Sie lassen sich von journalistischen Fragen nicht aus der Fassung bringen, sondern reagieren mit Humor und Schlagfertigkeit. Zeitzeugen, unter anderem Whoopi Goldberg und Sigourney Weaver, „outen“ sich als Fans der Beatles12.


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Sehenswerte Genrebeiträge 2017

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LA LA LAND (Kinostart: 12. Januar 2017)
USA 2016
Regie und Drehbuch: Damien Chazelle

Der preisgekrönte Musicalfilm LA LA LAND von Damien Chazelle („Whiplash“) lässt keine Wünsche offen. Ryan Gosling („The Nice Guys“) als Jazzpianist Sebastian und Emma Stone (“The Help”) als Schauspielerin Mia überzeugen durch ihre Songs und die phänomenalen Tanzeinlagen unter freiem Himmel. Für das Liebespaar ist es ein steiniger Karriereweg, der von Rückschlägen und Enttäuschungen geprägt ist. Zwar erreichen Sebastian und Mia die Ziellinie ihrer beruflichen Wünsche – ihre Liebe hat keine Chance. Trotz traumhafter Kulisse und schöner Musik ist LA LA LAND eine der Realität durchaus nahe Story Hollywoods mit einer künstlerischen Verbeugung vor den Klassikern aus den Zeiten von Fred Astaire und Ginger Rogers.


DANCING BEETHOVEN (Kinostart: 13. April 2017)
Schweiz Spanien 2016
Regie und Drehbuch: Arantxa Aguirre

DANCING BEETHOVEN von Arantxa Aguirre („An American Swan in Paris”) vermittelt einen intimen Einblick in das Zusammenwirken von Tänzern, Musikern und Choreographen aus aller Welt, die Ballettfassung Maurice Bejarts (1927-2007) von Ludwig van Beethovens 9. Symphonie auf die große Bühne zu bringen. Aguirre, die nach ihrem Literaturstudium als Assistentin für Pedro Almodovar und Carlos Saura tätig war, begleitet das schweizerische Bejart Ballett Lausanne, das Israel Philharmonic Orchestra (Leitung: Zubin Mehta) und das japanische The Tokyo Ballet neun Monate lang. Die Künstler müssen physisch und psychisch für die Proben ihre ganze Kraft aufbieten. Die Protagonisten schildern ihre persönlichen Erlebnisse während der Vorbereitungen. Eine ukrainische Tänzerin pausiert, da Mutterfreuden nahen. Ihr kolumbianischer Lebensgefährte wird dem Ereignis, mittels moderner Kommunikationstechnik, aus der Ferne entgegenfiebern, seinen Part in der Kompanie darf er nicht vernachlässigen. Für alle Beteiligten ist es eine große Ehre, ein Traum, der Wirklichkeit wird, Beethovens berühmte 9. Symphonie, der Vertonung von Schillers „Ode an die Freude“ („Alle Menschen werden Brüder“), zu performen.


SING IT LOUD ! – LUTHERS ERBEN IN TANSANIA (Kinostart: 18. Mai 2017)
Deutschland 2017
Regie und Drehbuch: Julia Irene Peters   Jutta Feit

Chormusik wird in Tansania großgeschrieben. Der Musikdokumentarfilm von Julia Irene Peters und Jutta Feit berichtet von der Begeisterung in Dörfern und der lebendigen Großstadt Arusha an der Chormusik. Für die Sänger und die Angehörigen der 1500 Chöre ist das gemeinsame Singen soziales Zusammenstehen und kreative persönliche Entfaltung gleichermaßen. Die Chöre müssen in einem evangelisch-lutherischen Wettbewerb Eigenkompositionen und den alten deutschen Choral „Verleih uns Frieden gnädiglich“ vortragen. SING IT LOUD ! ist ein bewegendes Musikhappening über Talent, Glauben und Bestimmung mit beeindruckender Visualität und Akkustik. Tansanische Landschaftsbilder und ein Exkurs in die Geschichte der Teilnehmerfamilien sind weitere Höhepunkte des Kinoevents13.


DALIDA (Kinostart: 10. August 2017)
Frankreich  Italien 2016
Regie und Drehbuch: Lisa Azuelos

Das Musik-Biopic DALIDA stellt den künstlerischen und persönlichen Weg von Iolanda Cristina Gigliotti (+ 03. Mai 1987) heraus, die als DALIDA (Sveva Alviti) große Erfolge feierte. Geboren als Tochter eines italienischen Geigers in Ägypten wollte sich Dalida eigentlich dem Schauspielfach widmen, wechselte jedoch zur Musik. Die Interpretation ihrer Chansons und Schlager brachten der Künstlerin den Verkauf von über 150 Millionen Tonträgern in den Fünfziger- und Sechzigerjahren. Ihr persönliches Leben war von Traurigkeit und Schicksalsschlägen gezeichnet. Der Wunsch, ein glückliches Leben mit Ehepartner und Kind zu führen, erfüllte sich nicht. Ihre Ehe mit Lucien Morisse (Jean-Paul Rouve), dem Chef des privaten Senders Europe 1, scheiterte. Auch das leidenschaftliche Verhältnis mit dem Studenten Lucio (Brenno Placido) hatte keine Zukunft. Die Liebe sei die eigentliche Bestimmung im Leben, betonte Dalida, die früh ihren Vater verlor, im Gespräch mit ihrem engen Freund Luigi Tenco (Alessandro Borghi) bei der Erörterung philosophischer Thesen Hegels zum Sein. Doch ihr persönliches Umfeld wünschte sich die glamouröse Frau von der Konzertbühne für das zwischenmenschliche Miteinander. Auch Tenco richtete sich selbst, sodass Dalida ihr Leben am 26. Februar 1967 beenden wollte. Der Suizidversuch schlug fehl. Anfang der Siebziger, erschöpft von den hohen Erwartungen des Showgeschäfts und der Öffentlichkeit, folgte eine Selbstfindungsphase der Sängerin in Indien. Ihre Fans vergaßen sie nicht und als Disco-Königin fand Dalida in den Siebzigern großen Anklang. Regisseurin Lisa Azuelos (DER VATER MEINER BESTEN FREUNDIN, EIN AUGENBLICK LIEBE) hat ihr Werk, das berühmte Dalida-Hits, unter anderem „Paroles, paroles“ und „Besame Mucho“, in die Handlung einbezieht, nach der literarischen Vorlage „Dalida. Mon Frere, tu ecriras mes memoires“ von Catherine Rihoit und Daniel Gigliotti/Orlando verfilmt14.


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1 Dorothee Ott, Musicalfilm/Revuefilm in Reclams Sachlexikon des Films, 3. Auflage 2011, S.462 – S.463. Werner Faulstich, Grundkurs Filmanalyse, 2. Auflage 2008, S.52 – S.53.

2 D. Ott, Musicalfilm/Revuefilm in Reclams Sachlexikon des Films, S. 464. Andrea Gronemeyer, (Schnellkurs) Film, 3. Auflage 2007, S.79.

3 Ronald Bergan, Kompakt & Visuell Film, 2007, S. 153.

4 Werner Faulstich, Filmgeschichte 2005, S.139 – S.140.

5 D. Ott, Musicalfilm/Revuefilm in Reclams Sachlexikon des Films, S.466 – S.467.

6 D. Ott, Ballettfilm/Tanzfilm in Reclams Sachlexikon des Films, S.62 – S.63.

7 Kritisch Lothar R. Just, Ronald M. Hahn, Georg Seeßlen, Meinolf Zurhorst, Heyne Filmlexikon Bd. 1, 1999 – “Dirty Dancing”  D 256, S. 174 und “Flash Dance” F 216, S. 250.

8 R. Bergan, Kompakt & Visuell Film, S.156 – S.157. Alf Mayer-Ebeling, “Dancer in the Dark”, Prüf-Nr. 22804 in 50 Jahre FBW – 50 Jahre Filmgeschichte (Steffen Wolf), Filmbewertung 1951 – 2001, 2001, S. 174.

9 „We are your friends“, lexikon des internationalen films, filmjahr 2015 (Erscheinungsjahr 2016), S. 452.

10 Die Angaben zu den Darstellern aus „We love to dance“ habe ich unter
filmstarts.de ermittelt. Ralf Blau, (Kino) „StreetDance: New York“, Cinema Juli (07-2016), S.42. Weitere Filmstarts, “Streetdance: New York”, epd Film 07-2016, S.71. Einzelheiten habe ich filmstarts.de entnommen.

11 Martin Schwickert, „Sing Street“, epd Film Kritiken 05-2016, S.64 – S.65.

12 Frank Schnelle, „The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years”, epd Film Kritiken 09-2016, S.53.

13 Anke Sterneborg, LA LA LAND, epd Film Kritiken 01-2017, S.53. Arsenal Filmverleih, Infoflyer dancing BEETHOVEN – Ein Film von Arantxa Aguirre, www.arsenalfilm.de. Filmpresse Meuser (Gisela Meuser, Carola Schaffrath) Startmeldung + PV SING IT LOUD, 07. April 2017, 16.24 Uhr. Rudolf Worschech, SING IT LOUD – LUTHERS ERBEN IN TANSANIA, epd Film Kritiken 05-2017, S.70.

14 Drama Frankreich 2017 DALIDA, Cinema.de (www.cinema.de). Filmfest München, DALIDA Frankreich Italien 2016 – Reihe Spotlight, www.filmfest-muenchen.de. NFP marketing und distribution, Kino/Filminfos DALIDA Start: 10.August 2017, www.nfp-md.de.  Bruno Gigliotti ist der Bruder von Dalida, der unter dem Pseudonym Orlando an der Drehbuchgestaltung mitgearbeitet hat.

Empfehlenswerte Websites:

Institut für Kino und
Filmkultur e. V. (IKF) Wiesbaden

www.film-kultur.de

Internationale Kurzfilmtage
Oberhausen

www.kurzfilmtage.de

Das Festival des deutschsprachigen Kurzfilms / Deutschland Österreich Schweiz Südtirol Luxemburg

www.bambergerkurzfilmtage.de

Rainer Werner Fassbinder
Foundation Berlin

www.fassbinderfoundation.de

Filmfest Hamburg

www.filmfesthamburg.de

Deutsches Kinder-Medien-Festival
Goldener Spatz Gera und Erfurt

www.goldenerspatz.de

Vision Kino gGmbH / Netzwerk für
Film- und Medienkompetenz Berlin

www.visionkino.de



„Der Western bleibt !“
(Einige) Grundzüge des Wildwestfilms für Kinogänger und Filmfans.

Mit HELL OR HIGH WATER, DIE VERFÜHRTEN (THE BEGUILED) und DAS ENDE IST ERST DER ANFANG

Laden Sie sich hier die gesamte Dokumentation herunter.


EINE SCHÖNE WEIHNACHTSZEIT
UND ALLES GUTE FÜR 2018
WÜNSCHT IHNEN TOBIAS GROHMANN