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Western

Der Wildwestfilm ist das älteste Genre und fällt mit der Entstehung des Kinos („Western als amerikanisches Kino par excellence“) zusammen. Die Geschichten finden zwischen der Gründung der USA (1776) und dem beginnenden Industriezeit- alter statt1. Das weite Land des Westens wird von den Siedlern aus dem Osten in Besitz genommen, Infrastrukturen werden geschaffen, aus Siedlungen werden Städte, Telegraphen- und Eisenbahnlinien entstehen, der Aufbau von Recht und Gesetz nimmt Gestalt an. Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den Protagonisten sind unvermeidbar. Für die Einwohner, die Indianer („Natives“), bleibt wenig Raum, um sich zu entfalten. Motive des Wildwestfilms sind der Kampf des Sheriffs gegen die Bösen, Verteidigung kleinerer Städte durch Einwohner vor Revolverhelden und Gesetzlosen, Unterbindung von Lynchjustiz durch Marshall oder Richter, Vater-Sohn-Konflikte und Familientragödien. Neben den typischen Szenenbildern mit Hauptstraße, Saloon, Hotels und Läden sind Pferd, Colt, Gewehr und das Lagerfeuer in der Prärie nicht wegzudenken2.

Die Blütezeit des Wildwestfilms liegt zwischen 1910 und 1960. US-Westernschauspieler und Fangemeinde altern. Mit der Zeit kriselt der Western. Andere Subgenre entstehen, der Spaghetti bzw. Italo-Western und der „Eastern“. Der Wildwestfilm mit Elementen aus Science-Fiction und Horror weckt bei den Kinogängern Interesse. Die geographischen und zeitlichen Grenzen des Genres öffnen sich. Der Wildwestfilm kann auch in anderen Ländern spielen3.

(Einige) filmhistorische Beispiele:    Regisseure:
   
1903 „Der große Eisenbahnraub“    (Edwin S. Porter)
   
1908 „Broncho Billy and the Baby“    (Gilbert M. Andersen)
   
1939 „Union Pacific”    (Cecil B. DeMille)
   
1948 „Red River”    (Howard Hawks)
   
1952 „Zwölf Uhr mittags”    (Fred Zinnemann)
   
1962 „Sacramento“    (Sam Peckinpah)
   
1966 „Django“    (Sergio Corbucci)
   
1969 „Spiel mir das Lied vom Tod“    (Sergio Leone)
   
1970 „Little Big Man“    (Arthur Penn)
   
1971 „Vier Fäuste für ein Halleluja”    (Enzo Barboni)
   
1972 „Jeremiah Johnson“    (Sydney Pollack)
   
1985 „Silverado“    (Lawrence Kasdan)
   
1990 „Der mit dem Wolf tanzt”    (Kevin Costner)
   
1992 „Halbblut“    (Michael Apted)
   
1993 „Geronimo“    (Walter Hill)
   
2000 „Shang-High Noon“    (Tom Dey)
   
2011 „True Grit“    (Joel und Ethan Coen)
2011 „Cowboys und Aliens“    (Jon Favreau)
   
2012 „Es war einmal im Norden“    (Jukka-Pekka Siili)
   
2013 „Django Unchained“    (Quentin Tarantino)
2013 „My Sweet Pepper Land“    (Hiner Saleem)
   
2014 „Das finstere Tal”    (Andreas Prochaska)
2014 „The Salvation – Spur der Vergeltung”    (Kristian Levring)
2014 „Den Menschen so fern“    (David Oelhoffen)


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2015 „Slow West“

Regie und Drehbuch: John Maclean
Cast: Kodi Smit-McPhee, Michael Fassbender, Ben Mendelsohn, Caren Pistorius.

Ein an Satire grenzender Abgesang auf die Mythen des Wilden Westen, der von John Maclean mit einem Hauch von Poesie, Abenteuer und Roadmovie inszeniert ist.

Der kindlich wirkende Jay Cavendish (Kodi Smit McPhee), Sproß einer schottischen Adelsfamilie, ist in den amerikanischen Weiten auf der Suche nach seiner geliebten Rose (Caren Pistorius). In Rückblenden wird dem Zuschauer klar, dass Rose seine Liebe nicht erwidert. Jay trifft auf Indianer, mordende Söldner, einen vermeintlichen Intelektuellen und den zynischen Revolverhelden Silas (Michael Fassbender). Silas, einst Mitglied der Payne-Bande, verspricht ihm Hilfe bei der Suche nach „seiner Freundin“. Anfangs ist Jays Begleiter mehr an dem auf Rose ausgesetzten Kopfgeld interessiert (die junge Frau wird irrtümlich für den Tod von Jays Onkel verantwortlich gemacht). Nach einem gefahrvollen Ritt können Jay und Silas Rose und ihren Vater auf einer einsam liegenden Farm entdecken. Im Ringen mit der Payne-Bande, Anführer hervorragend gespielt von Ben Mendelsohn, und einem konkurrierenden Kopfgeldjäger kommt es zu einem bleihaltigen Showdown. Der Vater von Rose und ihr indianischer Geliebter sterben bei der Schießerei. Silas, der Jay bei seinem Wunsch nach einer Vereinigung mit Rose unterstützt, wird schwer verletzt. „Don Juan“ Jay wird beim Betreten der Farm von Rose versehentlich erschossen. Smit-Mc Phee als Jay und Fassbender als Silas verkörpern ein ungleiches Gespann, das ihren Traum von Amerika nicht leben kann4.

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Mit „The Hateful Eight“ (Kinostart: 28. Januar 2016)  hat Quentin Tarantino nach “Django Unchained” einen weiteren Western gedreht. Zum Cast zählen Samuel L. Jackson und Kurt Russell. Tarantino zeigt die brutalen Geschehnisse um den Südstaaten-Major Warren und den Kopfgeldjäger John Ruth als ein Kammerstück in 6 Akten. Wie frühere Western setzt sich  „The Hateful Eight“ mit aktuellen politischen Strömungen auseinander, unter anderem mit rassistisch motivierter Gewalt. Einen Trapper-Western projiziert Oscar-Preisträger Alejandro Gonzalez Inarritu mit „The Revenant – Der Rückkehrer“ (Start: 06. Januar 2016) auf die Leinwand. Leonardo DiCaprio spielt den Trapper Hugh Glass, der seine engsten Angehörigen verliert und sich auf Leben und Tod gegen das Böse wehrt. Für seine Rolle als Hugh Glass wurde DiCaprio bei der 88. Oscar-Verleihung in Los Angeles am 28. Februar 2016 als bester Darsteller geehrt. Einen sehenswerten Frauenwestern erlebt die Kinocommunity mit „Jane got a Gun“ (Start: 31. Dezember 2015). Oscar-Preisträgerin Natalie Portman liefert sich als Farmerin Jane Hammond einen heftigen Schlagabtausch mit der Bishop-Bande.

Am 23. September 2016 startete ein Remake des berühmten Western „Die glorreichen Sieben“ mit Denzel Washington (FLIGHT) und Ethan Hawke (SINISTER) in den Filmtheatern. Regisseur ist Antoine Fuqua (SOUTHPAW). John Sturges  hatte bereits 1960 „Die glorreichen Sieben“ mit Yul Brunner, Charles Bronson und Horst Buchholz gedreht. Während in der Neuverfilmung von Fuqua Sam Chisolm (D. Washington) mit seinen Gefährten das Städtchen Rose Creek vor einem habgierigen Minenbesitzer (Peter Sarsgaard) verteidigt, hilft Chris (Y. Brunner) mit seinen Mannen in dem Original von Sturges Einwohnern eines mexikanischen Grenzstädtchens gegen Banditen. Für Sturges und Fuqua stand der Klassiker „Die sieben Samurai“ von Akira Kurosawa Pate5. Einen Neo Western hat Regisseur David Mackenzie mit „Hell or High Water“ (Kinostart: 12. Januar 2017) kreiert. Die Brüder Toby (Chris Pine) und Tanner (Ben Foster) wollen die Farm ihrer verstorbenen Mutter vor der Zwangsversteigerung retten. Der geschiedene Vater von zwei Kindern und der ehemalige Häftling beschließen deshalb, eine Reihe von Banken zwecks Geldbeschaffung zu überfallen. Der Texas Ranger Marcus (Jeff Bridges) erweist sich als entschlossener Gegner, der die Raubserie schnell beenden will6.

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1 Bernd Kiefer, Western in Reclams Sachlexikon des Films, 3. Auflage 2011, S. 773. Ich danke Sophie Keilbar (Weber Shandwick München) für die freundliche Erlaubnis, das Szenenfoto mit Hailee Steinfeld, Matt Damon und Jeff Bridges aus „True Grit“ (TM, ® & © 2015 Paramount Pictures) nutzen zu dürfen.

2 Werner Faulstich, Grundkurs Filmanalyse, 2. Auflage 2008, S.30 – S. 32. Edward Buscombe in Geschichte des Internationationalen Films (G. NowellSmith) 2006, S. 264 – S. 268. Robert Warshow, Der Westerner in Western – Genre und Geschichte (Bert Rebhandl), 2007, S. 51 – S.59.

3 Bernd Kiefer, Norbert Grob, Filmgenres Western, 2003, S. 12 – S.40. Andrea Gronemeyer, Schnellkurs Film, 3. Auflage 2007,S. 151 – S. 152. Bud Spencer, Mein Leben, Meine Filme – Die Autobiografie, 3. Auflage 2011, S. 130 – S. 137. Georg Seesslen, Filmwissen Western, 2011, S. 236 – S. 238. Tobias Grohmann, Der Western bleibt ! (www.tobias-grohmann.de/westerndoku) 2013-2015, S. 10 – S. 12 und S. 46 - S. 52

4 Joe Hembus, Benjamin Hembus, Das Western-Lexikon, 3. erweiterte Auflage 1995, S. 123, S. 133, S. 338 – S. 342, S. 394 – S. 396, S. 674 – S. 676. Kiefer, Grob, Filmgenres Western, S. 41 – S. 44, S. 97 – S. 100, S. 120 – S. 125, S. 342 – S. 345. lexikon des internationalen films, filmjahr 2011, „True Grit“, S. 427. Tobias Grohmann, Der Western bleibt, S. 33 – S. 35. Flyer Rapid Eye Movies, „My Sweet Pepper Land“, 2013, mit Cast und Inhalt. Hans Schifferle, “The Salvation”, epd film Kritken, 10-2014, S. 55. Flyer Arsenal Filmverleih, “Den Menschen so fern”, 2015 mit Inhalt und Cast. Kino Tipps, Cinema-Arthouse & Filmtheater Hasetor OS, August 2015, “Slow West”, S. 7.

5 20th Century Fox PresseService, Oscar für Leonardo DiCaprio  ! 29. Februar 2016, 07.43 Uhr. Heiko Rosner, Im Western viel Neues, Cinema Februar (02-2016), S.76 – S.81. Rudolf Worschech, Die glorreichen Sieben, epd Film Kritiken 10-2016, S.64. Heiko Rosener, (Hintergrund) Western von Gestern, Cinema Oktober (10-2016), S.74 – S.79.

6 „Hell or High Water“, Kinostart: 12. Januar 2017, filmstarts.de, Inhaltsangabe & Details. Zum Neo Western siehe G. Seesslen, Filmwissen Western, S.227 – S.233.



Empfehlenswerte Websites:

Institut für Kino und
Filmkultur e. V. (IKF) Wiesbaden

www.film-kultur.de

Internationale Kurzfilmtage
Oberhausen

www.kurzfilmtage.de

Das Festival des deutschsprachigen Kurzfilms / Deutschland Österreich Schweiz Südtirol Luxemburg

www.bambergerkurzfilmtage.de

Rainer Werner Fassbinder
Foundation Berlin

www.fassbinderfoundation.de

Filmfest Hamburg

www.filmfesthamburg.de

Deutsches Kinder-Medien-Festival
Goldener Spatz Gera und Erfurt

www.goldenerspatz.de

Vision Kino gGmbH / Netzwerk für
Film- und Medienkompetenz Berlin

www.visionkino.de



„Der Western bleibt !“
(Einige) Grundzüge des Wildwestfilms für Kinogänger und Filmfans.

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